Die pathologische Anatomie des Gehörorganes / bearbeitet von Hermann Steinbrugge.
- Steinbrügge, H. (Hermann), 1831-1901
- Date:
- 1891
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Credit: Die pathologische Anatomie des Gehörorganes / bearbeitet von Hermann Steinbrugge. Source: Wellcome Collection.
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![lungsvorgänge aufwiesen, desto schneller erfolgte der Zerfall der Tu- moren und der von den Geschwulstmassen durchsetzten Th eile [2. Fall Kretschmann s, ball Ficrce '■')]. Die im Gehörgange sichtbaren Granulationen sind höckerig, zerklüftet, weich, bluten leicht, sind nicht gestielt, sondern entspringen mit breiter Basis von den Gehörgangs- wänden [Schwartze29)], wodurch sie sich von den meisten gutartigen Polypenbildungen unterscheiden. Der das Leiden begleitende Ausfluss aus dem Ohre ist copiös, häufig mit Blut vermischt, fötid, und enthält Knochenpartikelchen. Die Labyrinthkapsel, die Dura mater, die Nerven und Gefässe, auch die knorpelige Tube widerstehen bis zu einem gewissen Grade der Ausbreitung des bösartigen Processes.*) In manchen Fällen zeigten sich die Arterien entweder intact oder obliterirt, die venösen Sinus waren theils in die Geschwulstmasse aulgegangen, theils gleichfalls obliterirt [Rasmüssen und Schmiege! ow12)]; stärkere Blutungen sind daher nicht beobachtet worden. Facialislähraung war fast immer vorhanden, da der Fallopi’sche Kanal durch die Ausbreitung der Geschwulst an verschiedenen Stellen in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Anschwellung der benachbarten Lymphdrüsen trat nicht immer auf. In 16 Fällen ward sic 4 mal beobachtet, 6 mal fehlte sie, und ebenso oft fand sich keine Angabe darüber. Das Epitheliom kann in der Ohrmuschel als Knötchen oder Ge- schwür beginnen, sich in den äusseren Gehörgang fortsetzen, und auf diesem Wege in die Tiefe dringen. [Politzer25), Pooley22), Kipp20), Seely15), Gruber21), Meniere jr.IG), Stacke'2).] Nach Politzer entsteht dasselbe meist in der Cutis des oberen Helixabschnittes. In anderen Fällen entspringt die Neubildung im äusseren Gehörgange. [Kessel1), Brunner2), Delstanche jr.6), Moos'4), Jacobson'4), Pierce'3)]. Nach Schwartze kann das Epitheliom auch primär im Warzenfortsatze entstehen. Ebenso zahlreich sind jedoch auch die Fälle, in welchen die Neu- bildung zweifellos ihren Ursprung in der Trommelhöhle genommen hatte und von hier aus nach aussen und nach innen gewuchert war, bis ein Durchbruch vor der Ohrmuschel, durch den Warzenfortsatz oder durch die Dura mater zu Stande kam. Da. die gesunde Pauken- höhle kein Epithel besitzt, welches einen geeigneten Boden für die Entwickelung eines Epithelioms abgeben könnte, so erscheint es von hohem Interesse, dass in der überwiegenden Zahl der Krebsfälle, welche vom mittleren Ohre ausgingen, jahrelange, oft aus der Kindheit stam- mende Ohreiterungen bestanden. Die Vermuthung liegt nahe, dass hier die gleichen epidermoidalen Umwandlungen der Paukenhöhlenschleimhaut erfolgt waren [Buss n)], welche wir der Cholesteatombildung zu Grunde legen, sei es durch eine directe, in ihrem Wesen bis jetzt unbekannte Metamorphose des Epithels, oder, was wahrscheinlicher ist, in Folge des *) Politzer20) sah dagegen einen Fall von Durchbruch eines Carcinoms von der Paukenhöhle in die Spitze der Schnecke. Die Neubildung erstreckte sich in einige Windungen der Schnecke hinein und hatte auch den N. acusticus infiltrirt.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21718258_0032.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)