Die pathologische Anatomie des Gehörorganes / bearbeitet von Hermann Steinbrugge.
- Steinbrügge, H. (Hermann), 1831-1901
- Date:
- 1891
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die pathologische Anatomie des Gehörorganes / bearbeitet von Hermann Steinbrugge. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
37/148 (page 23)
![tinuitätstrcnnungen desselben durch traumatische hin Iltisse [f.iaUur], oder in Form präformirter pathologischer Lucken bestehen. Die Ge- schwulst erscheint gewöhnlich blaurot, (luctuirt und nimmt meist die oberen Partien der Muschel oder die obere Hälfte der Concha ein; selten greift dieselbe auf die hintere Fläche über, oder erstreckt sich in den 'Gehörgang hinein. Der Inhalt besteht aus Blut, oder aus blutig seröser Flüssigkeit, welche sich nach Entleerung durch Function der Geschwulst bald wieder zu ersetzen pflegt. Je nach der ßethciligung des Knorpelgewebes erfolgt die Heilung ohne wesentliche Deformität des äusseren Ohres, oder mit Schrumpfung, partieller Verdickung des Knorpels und bleibender Entstellung der Muschel. Sich selbst uber- lassen, persistirt die ßlutgeschwulst lange Zeit; der Uebeigang in Eiterung und Abscessbildung ist selten [Hessler•’°), Koll-), Le- flaire36)], dagegen sah Schwartze19) häufig Verkalkung nachfolgen. Die frühere Controverse, ob das Othaematom nur bei Geistes- kranken. und bei diesen wiederum nur nach traumatischen Einwii- kungen auftrete, ist jetzt dahin entschieden, dass dasselbe auch bei Geistesgesunden, nach Traumen sowohl als auch spontan entstehen könne, allerdings mit der Einschränkung, dass in letzteren Fällen wahrscheinlich pathologische Veränderungen des Knorpels, wie Erwei- chungen, Lücken und Spaltbildungen, Neubildung oder Erweiterung von Gefässen, in Folge von Ernährungsstörungen oder früheren Verletzungen der Ohrmuschel, dem Othaematom voraufgingen. In einem von mir beobachteten Falle28) war ein vor 15 Jahren erlittener Stockschlag, welcher Narbenbildung, und vermutlich auch Alteration des Knorpel- gewebes hinterlassen hatte, die erste Ursache eines später ohne bekannte Veranlassung entstandenen Othaematoms bei einem 25jährigen gesunden Manne. Da bei Geisteskranken Ernährungsstörungen des Knochen- und Knorpelgewebes häufig beobachtet werden, und öftere traumatische Insulte der Ohrmuscheln, besonders der linken, nicht ungewöhnlich sind, so treffen hier zwei causale Momente zusammen, welche die grosse Zahl der Othaematome bei Alienirten erklärlich machen. Bemerkens- wert ist auch die Angabe Mabille’s 31), dass die Gefässe der mit Othaematom behafteten Geisteskranken häufig atheromatös entartet seien. — Die Perichondritis der Ohrmuschel ist selten. Sie bewirkt eine dem Othaematom ähnliche Geschwulstbildung, welche, meist vom knorpligen Gehörgang ausgehend, sich auf die verschiedenen Bezirke der Muschel ausdehnen, und auch die hintere Fläche derselben einnehmen kann. In den von Knapp40), Politzer11) und ßenni 41) mit- getheilten Fällen blieb das Ohrläppchen an der Entzündung unbetei- ligt, während Roosa4'1), Gruber31) und Schwabach42) dasselbe gleichfalls in Mitleidenschaft gezogen sahen. Die Farbe der bedecken- den Haut ist anfangs unverändert, der Inhalt der Geschwulst erweist sich im Beginne als eine wässerig flockige, klebrige, später eitrige Flüssigkeit. Das Perichondrium ist vom Knorpel abgelöst, letzterer erscheint bei der Sondirung rauh. Schwartze19) fand Knorpolstellen, welche käsig degenerirt waren und Kalkablagerungen enthielten; Gruber](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21718258_0037.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)