Die pathologische Anatomie des Gehörorganes / bearbeitet von Hermann Steinbrugge.
- Steinbrügge, H. (Hermann), 1831-1901
- Date:
- 1891
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Credit: Die pathologische Anatomie des Gehörorganes / bearbeitet von Hermann Steinbrugge. Source: Wellcome Collection.
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![und Bartsch 44) beobachteten Nekrose des Knorpels. Der Verlauf zieht sich zuweilen Monate lang hin [Schwabach42), Benni 47)I, es bilden sich Fistelgänge und die Heilung tritt erst ein, nachdem die kranken Stellen des Knorpels operativ beseitigt worden sind [Schwartze]. In leichteren Fällen heilt der perichondritische Abscess nach Entleerung des Eiters, ohne dass eine Deformität zurückbleibt [Schwartze19), China ani )], in anderen Fällen kommt es zu \7erkrüppelungen der Muschel in ähnlicher Weise, wie nach Othaematomen [Knapp40), Pomeroy 39)]. Die Ursachen, welche die Entzündung bedingen, sind bis jetzt unbekannt; zuweilen gehen eitrige Mittelohrprocesse der Peri- chondritis voraus. Wendt15) und Pomeroy beschreiben Fälle von Ohr- eiterung mit Bildung vonAbseessen im Gehörgange, nach deren operativer Eröffnung sich langwierige und ausgedehnte Eiterungsprocesse in der Ohrmuschel einstellten. Auch in Knapp’s Falle begann die Abscess- bildung im knorpeligen Gehörgange und erstreckte sich nach Spaltung des Abscesses weiter auf die Ohrmuschel. Jacoby78) berichtet eben- falls (bei Gelegenheit eines den Pomeroy’schen Fall betreffenden Re- ferates) über eine selbstbeobachtete Perichondritis des knorpeligen Gehörganges in Folge vernachlässigter eitriger Mittelohrentzündung mit consecutiven Senkungsabscessen und hochgradiger Betheiligung der Ohr- muschel. In den übrigen Fällen ist der Beginn des Leidens aus der Beschreibung weniger ersichtlich; immerhin könnte man vermuthen, dass in den Fällen von Ohreiterung eine Infection durch im Eiter ent- haltene Mikroorganismen stattgefunden habe, und dass der Infections- stoff zuweilen auch auf dem durch die künstliche Incision geschaffenen Wege unter die Knorpelhaut des Gehörganges eingedrungen sei. Ausser diesen ausgesprochenen Fällen von Perichondritis, welche sich nach übereinstimmender Aussage der Autoren durch grosse Schmerz- haftigkeit auszeichnen, kommen schmerzlos und ohne Fieber entstehende Ansammlungen von klarer, leicht gelblicher Flüssigkeit, ohne Bei- mengung von Blut und Eiterkörperchen zwischen Perichondrium und Knorpel vor, durch welche eine fluctuirende Geschwulst in der Con- cavität der Ohrmuschel erzeugt wird. Derartige Anschwellungen sind ausführlich von Hartmann 49) beschrieben worden, welcher sie als Cystenbildungen in der Ohrmuschel bezeichnete. Der Autor be- richtet über 6 Fälle, welche, mit Ausnahme einer Frau, körperlich und geistig gesunde Personen betrafen. In keinem der Fälle war ein Trauma nachzuweisen. Nach vollzogener Incision lag der Knorpel frei, die Heilung erfolgte unter geeigneter Behandlung schnell und ohne Deformität. Hartmann ist der Ansicht, dass frühere Erweichungs- processe des Knorpels, fibrillärer Zerfall desselben und die Entwicklung von Hohlräumen, Vorgänge, wie sie früher bereits von Pareidt-6), L. Meyer-7), Pollak 24) u. A. beschrieben worden sind, als Vorstadien des Othaematoms sowohl wie der Cystenbildung zu bezeichnen seien, und dass manche der als Othaematome beschriebenen Fälle in die Rubrik der Cystenbildung gehören dürften. Wie Hessler30) nicht mit Unrecht bemerkt, werden wohl mancherlei Uebergangsformen Vorkommen,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21718258_0038.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)