Die pathologische Anatomie des Gehörorganes / bearbeitet von Hermann Steinbrugge.
- Steinbrügge, H. (Hermann), 1831-1901
- Date:
- 1891
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Credit: Die pathologische Anatomie des Gehörorganes / bearbeitet von Hermann Steinbrugge. Source: Wellcome Collection.
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![in welchen der flüssige Inhalt bald rein blutig, blutig serös, oder rein serös sein kann. Zu erwähnen sind ferner phlegmonöse Entzündungen der Ohrmuschel, welche in Folge von Verletzungen, Insektenstichen, sowie im Verlaufe von Infectionskrankheiten, wie Typhus, Masern, Erysipel beobachtet worden sind. Sie pflegen Abscesse zu hinterlassen, können aber auch Gangrän der Ohrmuschel herbeiführen. Partielle Gangrän der Ohrmuschel sah Schwartze bei einer Frau im Verlaufe einer schweren Otitis media purulenta und bei einem nahezu 4 Jahre alten Kinde im Anschlüsse an Caries und Nekrose des Felsenbeines auftreten. Eitelberg52) beschreibt zwei Fälle von Brand, deren erster einen 13 monatlichen Knaben betraf, welcher an fötider Ohreiterung litt, während im 2. Falle die Concha eines 3jährigen wohl- genährten Mädchens von trockenem Brande befallen wurde. Auch bei hochgradiger Erfrierung kann brandiges Absterben eines Theiles der Muschel Vorkommen, indess leichtere Grade nur die bekannten Frost- beulen oder chronische Dermatitidcn erzeugen, welche bei kaltem Wetter gern exaeerbiren. Diphtheritische Geschwüre der Muschel, welche sogar zu Substanzverlusten im Knorpel führten, werden von Gr über34) erwähnt. Auch Jacobson33) berichtet über 3 Fälle diphtheritischer Entzündung der Ohrmuschel bei Kindern, welche im Gefolge eitriger Mittelohrprocesse anfgetreten war, und theils zu Geschwürsbildung, theils zu Auflagerungen diphtherischer Membranen auf der Muschel und im Gehörgang Ver- anlassung gegeben hatte. Was die an der Muschel vorkommenden Neubildungen betrifft, so sind daselbst, ausser den bereits erwähnten malignen Formationen, Naevi, Teleangiectasien, erectile Gefässgeschwülste, Angiome, Atherome, Chondrome, Papillome und Fibrome beobachtet worden. Letztere, welche sich vorzugsweise am Läppchen bilden, sind der Ohrmuschel eigenthiimlich, insofern sie meist in Folge des Tragens von Ohrgehängen in der Gegend der Stichkanäle ihren Ursprung nehmen. Man hat beobachtet, dass Ohrringe von geringwerthigem, leicht oxydirendem Metall häufig die Veranlassung zur Entstehung von Fibromen des Lo- bulus geben, und dass Negerinnen mehr als Weisse dazu disponiren [Knapp66)]. Die Geschwülste können eine beträchtliche Grösse erlangen und nach der Exstirpation recidiviren. Billroth betrachtet dieselben als hypertrophisches Narbengewebe. In einer von mir29) mikroskopisch untersuchten derartigen Geschwulst fand sich, namentlich in der Um- gebung des obliterirten Stichkanales, ein dichtes Gewirr von Binde- gewebsfasern, und inmitten dieser Fasern llaufen kleiner Zellen mit grossen Kernen, welche besonders zahlreich und gedrängt in der Nach- barschaft von Gefässen auftraten. Das Fettgewebe schien durch die Bindegewebsneubildung allmählich verdrängt worden zu sein; Cutis, Mal- pighi’sche Schicht, Haarbälge und Talgdrüsen waren unverändert ge- blieben*). *) Ein weiches Fibrom, welches mit dünnem Stiele zwischen der Spina helicis](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21718258_0039.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)