Die pathologische Anatomie des Gehörorganes / bearbeitet von Hermann Steinbrugge.
- Steinbrügge, H. (Hermann), 1831-1901
- Date:
- 1891
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die pathologische Anatomie des Gehörorganes / bearbeitet von Hermann Steinbrugge. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
42/148 (page 28)
![Erkrankungen des äusseren Gehörganges. pic häutige Bekleidung des äusseren Gehörganges erkrankt nicht nui durch Schädlichkeiten, welche von Aussen in den Kanal eindringen, oder m Folge von allgemeinen Störungen, sondern nimmt häufig auch an den Hyperämien und Entzündungen Theil, welche das Mittelohr befallen. Dies gilt insbesondere für die Auskleidung des knöchernen Abschnittes. In den meisten Fällen ernsterer Mittelohrerkrankung ist dieselbe lebhaft geröthet oder es lösen sich zugleich die oberen Epi- dermislagen ab; in schweren Fällen eitriger Mittelohrentzündung kann die Epidermis sogar durch hämorrhagisch-serösen Erguss blasenförmig abgehoben werden [Schwartze34)*)]. Auch die Absonderung der Ceruminaldrüsen scheint häufig durch Reizungsvorgänge im mittleren Ohr beeinflusst zu werden. Die Bildung der bekannten Ceruminalpfröpfe hängt sehr oft mit chronisch hyper- ämischen und entzündlichen Zuständen in den tieferen Theilen des Gehörorganes zusammen. Andererseits kann die Secretion der Ohren- schmalzdrüsen durch mechanische, chemische oder entzündliche Rei- zungen der Gehörgangshaut selbst (Fremdkörper, Erkältungen) gesteigert werden. Man findet daher nicht selten ausser dem Sekrete der Ceru- minal- und Talgdrüsen mehr oder weniger reichliche Anhäufungen von Epidermisplättchen innerhalb der Pfropfe oder an deren Aussenfläche. Nicht zu verwechseln mit den eigentlichen Ceruminalpfröpfen sind die häufig vorkommenden cholesteatomatösen Produkte, epitheliale Anhäu- fungen, welche Residuen chronischer eitriger Mittelohr- und Trommel- fellentzündungen darstellen. Sie sind durch Beimengung von Cerumen oft bräunlich gefärbt, unterscheiden sich jedoch von den gewöhnlichen Ceruminalpfröpfen durch hellere Farbe und durch festes Anhaften an den Wandungen des Gehörgangsgrundes sowie am Trommelfell. Nach Entfernung derselben findet man häufig Substanzverluste im Trommel- fell, chronische Myringitis, oder es geht der desquamative Process vom Mittelohre aus. Die Entzündungen des häutigen Gehörganges unterscheidet man als circumscripte und diffuse Formen. Die ersteren, gewöhnlich als Furunkelbildung bezeichnet, entstehen nach der bisher geltenden An- nahme in den meisten Fällen durch Einwanderung von Eitercoccen **) in die Haarbälge sowie in die Talg- und Ceruminaldrüsen des Ganges. Schimmelb lisch9) hat dagegen kürzlich nachgewiesen, dass bei Ein- reibungen von Staphylococcus-Culturen in die unverletzte Haut die Mikroorganismen hauptsächlich längs der Haarschäfte der Wollhaare *) Aehnliche Befunde sind bei Mittelohrentzündungen beobachtet worden, welche im Verlaufe der letzten Influenza-Epidemie entstanden waren. **) Löwenberg3) hat zuerst auf das Vorkommen von Mikrococcen im Eiter dieser Abscesse aufmerksam gemacht, und später den Staphylococcus pyogenes alb. aureus und citreus in demselben nachgewiesen. Kirchner6) sah den Staphylococc. pyog. alb. (Rosenbach), Schimmelbusch1') sämmtliche 3 Arten der genannten pyogenen Staphylococcen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21718258_0042.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)