Die pathologische Anatomie des Gehörorganes / bearbeitet von Hermann Steinbrugge.
- Steinbrügge, H. (Hermann), 1831-1901
- Date:
- 1891
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Credit: Die pathologische Anatomie des Gehörorganes / bearbeitet von Hermann Steinbrugge. Source: Wellcome Collection.
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![eindringen, die Schweiss- und Talgdrüsen wenig oder gar nicht dabei ia Betracht kommen. Bei Verletzungen der Haut entstehen nach der Infection mit Eitercoccen keine Furunkel, sondern Abscesse odei phleg- monöse Entzündungen. , . , . Man findet isolirte oder, wenn mehrere Furunkel vorhanden sind, confluirende Anschwellungen, am häufigsten im äusseren Drittel des Gehörganges. Da die benachbarte Haut an der Anschwellung Iheil nimmt, so wird das Lumen des Ganges gewöhnlich in hohem Grade beeinträchtigt. Eine genaue Untersuchung am Lebenden wird dadurch wesentlich erschwert, und es lässt, sich oft nicht entscheiden, ob die Aftection als Furunkel oder als Abscess zu bezeichnen sei; ebensowenig ist auch der Ausgangspunkt immer zu ermitteln. Der Verlauf des Furunkels im Gehörgange unterscheidet sich nicht von demjenigen an anderen Körperstellen. Nachdem das Zellgewebe nekrotisirt ist, bildet sich ein kleiner Abscess, welcher sich nach Aussen entleert, worauf in den meisten Fällen Heilung erfolgt. Charakteristisch für den Gehörgangsfurunkel ist nur, dass die Heilung zuweilen durch Granulationen, welche aus der Abscessöffnuug hervorwuchern, verzögert wird. Der einmal erkrankte Gehörgang wird leicht von wiederholter Furunkelbildung heimgesucht, auch tritt die circumscripte Otitis ext. zuweilen epidemisch auf. Seitdem die bakteriologischen Untersuchungen mehr Licht in ätiologischer Be- ziehung auch in Betreff der Furunkulose gebracht haben, sind die in früherer Zeit als Ursachen derselben hervorgehobenen Momente, wie Constitutionsanomalien, Er- kältungen, Diätfehler, örtliche Reize u. s. w., mehr in den Hintergrund getreteu. Es wird aber immer zu berücksichtigen bleiben, dass durch das Vorhandensein all- gemeiner constitutioneller Störungen oder örtlicher Schädlichkeiten oft erst der gün- stige Nährboden geschaffen wird, welcher das Fortwachsen und den Sieg der Eiter- coccen über die Gewebe gestattet. Hessler12) beschrieb eine Otitis ext. ex infectione, welche sich dadurch von der Furunculose unterscheidet, dass sie nicht zu wirklicher Abscedirung, son- dern an der Stelle der Infection zur Bildung einer Papel führt, von welcher aus die entzündliche Anschwellung des Gehörganges sich weiter verbreitet. Auch die Ohr- muschel und deren nächste Umgebung uehmen an der lymphangitischen Entzündung Theil, und die benachbarten Lymphdrüsen schwellen an. Die Otitis endet mit Ab- sonderung eines serösen Exsudates. Blau13) hat ebenfalls derartige Fälle beobachtet. Die Otitis externa diffusa ist in den meisten Fällen mit eitri- ger Mittelohrentzündung complicirt, anderentheils durch acute oder chronische Exantheme hervorgerufen. Primäre diffuse Entzündungen, welche sich auf • den Gehörgang und das Trommelfell beschränken, sind bei Erwachsenen nicht häufig, kommen dagegen im kindlichen Alter, namentlich bei skrophulösen Individuen, des Oefteren vor. Ob pflanzliche Parasiten im Stande sind, Entzündungen im normalen Gehör- gange zu erregen, ist noch zweifelhaft. Sie haften wahrscheinlich nicht auf gesunder Gehörgangshaut, bleiben in manchen Fällen ganz symp- tomlos [Bezold35), Moos:tl), Siebenmann-11)], wirken aber, sobald sie zu bereits bestehenden Entzündungen hinzutreten, oder in Epithel- defecte hineingelangen, als dauernde Schädlichkeit, unterhalten und steigern die Entzündung. Eine diffuse Otitis ext. kann ferner durch mechanische oder chemische Reize bedingt werden.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21718258_0043.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)