Die pathologische Anatomie des Gehörorganes / bearbeitet von Hermann Steinbrugge.
- Steinbrügge, H. (Hermann), 1831-1901
- Date:
- 1891
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Credit: Die pathologische Anatomie des Gehörorganes / bearbeitet von Hermann Steinbrugge. Source: Wellcome Collection.
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![der Trommelhöhle zum Theil vom Eindringen entzündungserregender Stoffe vom Gehörgange aus ableitet. Bei fortdauernder Eiterung ist die Schleimhaut der Irommelhohlc durch Infiltration mit Rundzellen, durch Erweiterung und Füllung der Gefässe stark verdickt, enthält zuweilen varicös erweiterte Lymph- bahnen und c'y stenartige Hohlräum e. Politzer45) ist der Ansicht, dass es sich dabei entweder um abgeschnürte Lymphräume handle, oder, wenn die Cysten oberflächlich liegen, um Verwachsung papillärer Excrescenzen. Auch Habermann 81), welcher über einen Fall von zahlreicher Cvstenbildung berichtet, glaubt, dass Verwachsungen der Schleimhaut, namentlich in den Fensternischen, zur Formation geschlos- sener Hohlräume führen können, hält aber die Cysten in dem erwähnten Falle zum Theil für Bildungen, welche aus Drüsen hervorgegangen seien. Hohlräume, mit niedrigem Cylinderepithel ausgekleidet, wurden auch von Moos und mir45) in der Trommelhöhlenschleimhaut eines tertiär Syphilitischen beobachtet; dieselben könnten auch durch Ver- wachsung des Einganges zu den kryptenartigen Einstülpungen der Schleimhaut entstanden sein, welche oft für Drüsen gehalten werden. Die geschwellte Schleimhaut füllt das Lumen der Trommelhöhle zuweilen vollständig aus. Ihre Farbe ist im lebenden Zustande meist lebhaft roth, und ihre Oberfläche erscheint nicht selten himbeerartig granulirt. Bei dieser Beschaffenheit der Schleimhaut entstehen sehr oft auch grössere Granulationen, welche zur Basis vereinzelter oder mehrfacher polypöser Geschwülste werden können. Polypen der Trommelhöhle. Diese Geschwülste behindern oft den Eiterabfluss aus dem Mittel- ohre, begünstigen daher das Auftreten gefährlicher Complicationen, Erkrankungen des Felsenbeinknochens und dessen Nachbarschaft. Sie verhindern ferner die Heilung der Otorrhoe, veranlassen nicht selten Blutungen, und sind zuweilen durch reichliche Wucherung und Ablösung ihres epithelialen Ueberzuges von nachtheiligem Einflüsse [Lucae 65)]. Man unterscheidet unter den Ohrpolypen die Granulationsgeschwülste, die Fibrome und Myxome. Die ersteren bestehen zum überwiegenden Theile aus grossen Rundzellen, deren Kerne in lebhafter Theilung be- griffen sind, aus einem sehr zarten bindegewebigen Stroma, und aus zahlreichen Gefässen, welche oft bersten und Blutextravasate liefern, zum Theil später obliteriren. Aus der Umwandlung der Geschwulst- zellen in Bindegewebe gehen die gefässärmeren und derberen Fibrome hervor, während die selteneren Myxome durch Stehenbleiben der Zell- entwicklung auf der Stufe der spindel- und sternförmigen Zellen zu Stande kommen mögen. Als vierte Form wurden von Moos und mir die Angiofibrome beschrieben, welche durch Bildung von Bindegewebs- zögen aus den Zellen der Adventitia der zahlreichen, später meist ob- literirenden Gefässe von Granulationsgeschwülsten entstehen. Unter 100 Fällen von Ohrpolypen fanden Moos und ich 55 Granulations- Geschwülste, 27 Angiofibrome, 14 Fibrome und 4 Myxome, ln Betreff des Geschlechtes](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21718258_0069.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)