Die pathologische Anatomie des Gehörorganes / bearbeitet von Hermann Steinbrugge.
- Steinbrügge, H. (Hermann), 1831-1901
- Date:
- 1891
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Credit: Die pathologische Anatomie des Gehörorganes / bearbeitet von Hermann Steinbrugge. Source: Wellcome Collection.
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![gewöhnlich mit einer dünnen weisslichen oder weiss-röthlichen, stellen- weise perlmutterartig glänzenden Membran ausgekleidet. [Bezold99), Hummel 92), Steinbrügge 77)]. Das Vorkommen cholesteatomatöser Producte ist nicht selten mit Polypenbildung (s. oben), sowie mit cariösen Processen complicirt. Die Zerstörung des Knochens erfolgt wahrscheinlich zumeist durch den Druck, welchen die stetig an Umfang zunehmenden und oft aufquellenden epidermoidaien Massen ausüben, vielleicht auch durch Zersetzungs- producte der abgestorbenen und faulenden Zellkörper. Wendt38) betrachtete die cholesteatomatösen Massen bereits mit vollem Rechte als Producte einer desquamativen Entzündung der Mittel- ohrschleimhaut, weiche letztere durch andauernde entzündliche Reiz- zustände allmählig eine epidermoidale Umwandlung erfahren habe. Nur diese epitheliale Metamorphose wird gegenwärtig anders beurtheilt. Im Hinblick auf analoge Vorgänge in anderen Körperbezirken, wo man das Hineinwachsen der äusseren Haut durch natürliche Gänge (Vagina, Uterus, Urethra, Nasenhöhle) oder durch Fistelgänge (Blasenfisteln) beobachtete, hat der gleiche Process auch beim Gehörorgane nichts Befremdendes mehr. Wie oben bereits erwähnt wurde, ist das Ein- dringen der äusseren Haut durch veraltete Trommelfelldefecte, nament- lich wenn letztere mit der Labyrinthwand Verwachsungen eingegangen waren, mehrfach gesehen worden [Schwartze 93), Habermann 87 u. 96), Bezold 91)]. Bezold und Habermann machten neuerdings auch auf das nicht seltene Hineinwachsen der Epidermis durch Einrisse oder Perforationen der ShrapnelPschen Membran aufmerksam, wodurch Cho- lesteatombildung im Kuppelraum der Paukenhöhle und im Antrum mast, bedingt wird.*) Eine dermoide Umwandlung der Paukenhöhlenschleimhaut bei fort- bestehender Perforation, kann freilich bedingungsweise als Heilung und als schützender Vorgang gegen Recidive der Otorrhoü aufgefasst werden *) Von Interesse erscheint die Frage, ob nur das Rete Malphighi oder auch die Cutis mit ihren Papillen hinüberwachse, da wir auf der dermoidal umgewandelten Trommelhöhlenauskleidung entschieden einer an die normalen Verhältnisse der Haut erinnernden Papillenbildung begegnen. In dieser Beziehung sind die von Hanau ausgeführten experimentellen Uebertragungen von Carcinom (s. Fortschritte d. Med. 1889, No. 9, p. 321 ff.) sehr bemerkenswerth. Der Autor vindicirt dem Epithel einen formativen Einfluss auf das Bindegewebe, beim physiologischen Wachsthum sowohl, wie bei pathologischen Vorgängen. Diese letzteren bezogen sich auf ein nach primärem Hautkrebs metastatisch entstandenes Carcinom auf dem Peritoneum eines Versuchstieres. Unter Bildung einer dicken, verhornenden Schichte hatten die entfernten Abkömmlinge des Hautepithels das peritoneale Bindegewebe zur Papillenformation veranlasst. In dieselbe Kategorie des überwiegenden formativen Einflusses der Epithel- schichte auf das Bindegewebe gehören, meiner Ansicht nach, auch die oben be sprochenen Einsenkungen der Malpighi’schen Schichte in das bindegewebige Stroma, selbst bei Geschwülsten von gutartigem Charakter, wie es die Ohrpolypen in der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Fälle sind. Auch in den Polypen findet I ä- pillenbildung statt. Es dürfte demnach mit Wahrscheinlichkeit aus Obigem hervor- o-chen, dass das Hineinwachsen der Epithelschichte in die Trommel- höhle allein genügt, um eine vollständige Umwandlung der Schleim- haut in papillentragende Cutis zu bewirken.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21718258_0074.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)