Untersuchungen über Cholesteatome und ihre Ergebnisse für die Lehre von der Entstehung der Geschwülste ... / Emil Glaeser.
- Glaeser, Emil, 1862-
- Date:
- [1890]
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Credit: Untersuchungen über Cholesteatome und ihre Ergebnisse für die Lehre von der Entstehung der Geschwülste ... / Emil Glaeser. Source: Wellcome Collection.
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![langjähriger Ohrenfluss vorausgeht, so ist es sehr wahrscheinlich, dass es unter dem Einfluss eines chronischen Katarrhs zu einer Metaplasie des Cylinderepithels gekommen war, und dass dann dieses neue Epithel zur Carcinombildung geführt hatte. Die früher auffallenden Befunde, welche, so lange sie des thatsiich- lichen Zusammenhanges entbehrten, geeignet erscheinen konnten, eine Stütze für die Cohnheim’sche Theorie abzugeben, werden jetzt durch unsere Erfahrung um vieles klarer. Dass Epithelialgewebe im Zustande chronischer Entzündung oder, richtiger gesagt, unter dem Einfluss eines chronischen Rei¬ zes zu Tumorenbildung neigen, wissen wir von den Paraffin- und Schornsteinfegerkrebsen, und man könnte sich vielleicht denken, dass ebenso, wie dort excessive Wucherungen in die Tiefe auftreten, in unseren Fällen eine oberflächliche Wucherung entseht, welche den Geschwülsten zuzurechnen ist. Indessen .scheint es uns doch richtiger, diese Oberflächenwucherung und Desquamation den hyperplasirenden Wucherungen zuzurechnen [und nicht den Neoplasmen einzureihen; denn wir haben es hier mit einem für die betreffende Stelle typischen Gewebe zu thun, idessen Entstehen physiologisch ist, das eben nur durch die Schwierigkeit, nach aussen befördert zu werden, zu einem ge- jschwulstähnlichen Gebilde wird. Indessen scheint es, wenn man sich die erwähnten Fälle von Lucae und Schwartze in’s Gedächtniss zurückruft, doch imöglich zu sein, dass sich Epithelinseln abschnüren, und dann, ^getrennt von ihrem Mutterboden, selbständig weiter wachsen. Es wäre wünschenswert!], dass nach dieser Richtung hin mög- llichst genaue Beobachtungen von seiten der Kliniker angestellt ■würden, damit wir mehr Gewissheit erlangen, ob wir alle die izahlreichen Cholesteatomfälle im Mittelohr unter die oben be¬ sprochenen Prozesse zählen müssen. In jedem Falle wird die Beurtheilung auch solcher Befunde, Ibei denen äussere Ursachen nicht nachzuweisen sind, insofern -schwierig bleiben, als sich sehr darüber streiten liesse, ob sie, wenn vom Epithel ausgegangen, überhaupt den Geschwülsten zu- izurechnen sind. Ein Unterschied zwischen hyperplasirender Wucherung und Geschwulst im engeren Sinne ist eben, wie wir durch Vergleichung mit den Cholesteatomen an der Hirnbasis](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b30584553_0027.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)