Augenärztliche Therapie : für Ärzte und Studierende / von M. Ohlemann.
- Ohlemann, F. W. Max
- Date:
- 1896
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Credit: Augenärztliche Therapie : für Ärzte und Studierende / von M. Ohlemann. Source: Wellcome Collection.
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![In der Neuzeit hat sich das Quecksiiberoxycyanid ^) (Hydrarg. oxycyanatura [HgOHglCN)^]) einen besonderen Ruf verschafft. Nach Schlösser 1) (München) hat dasselbe eben solche anti- septische Eigenschaft wie das Sublimat, aber es reizt die Gewebe weniger als dieses, so dass die 4fache Dosis genommen werden kann und auch vertragen wird. Ferner kann es zum Sterilisiren der Instrumente dienen, da diese nicht darunter leiden. Es wird angewandt bei Conjunctivitis zum Pinseln l^/o—2°/o. Dann bei Thränensack-Eiterungen und Blennorhoeen, meist 1 : 500 und 1 : 1000. Seggel 2) empfiehlt das Hydr. oxycyanat. 1 : 10000 zum Aus- waschen der Augen-Bindehaut, Lider und rühmt seine sichere antiseptische Eigenschaft und Reizlosigkeit, es gäbe kein Mittel, welches in solcher Verdünnung so sichere keimtödtende Wirkung habe. Michel bemerkt zu praktischen Zwecken, bei der Bereitung der Sublimatlösung von 1 : 1000, dass kaum 20^^/0 Sublimat in Lösung ginge. Man solle daher dem Brunnenwasser vor dem Gebrauche seinen Kalk- und Magnesiumgehalt durch Kochen nehmen oder sie durch Zusatz einer Säure in Salze überführen. Hierzu eigne sich schon Essigsäure von 0,5 auf 1 Liter Wasser. Verbandstoffe werden im Sterilisator mit Wasserdämpfen bei 100° C. sterilisirt; Gläser und Fläschchen mit den zu ge- brauchenden Lösungen in gleicher Weise Vs Stunde den heissen Dämpfen ausgesetzt. Diese Art aseptischen Verfahrens ist jedoch schwierig und kost- spielig, dazu ist der Bindehautsack weniger der Infection durch patho- gene Keime ausgesetzt als andere Körperstellen (Michel), weil ihn die Thränenflüssigkeit schützt. Die grösste Gefahr droht ihr meist nur von Seiten des Thränensackes, daher das Verfahren Burchardt's der Combination' des 5*^/0 Chlorwassers mit 0,7 Salicylsäure und 30,0 Borsäure auf 1000 Wasser. Dagegen hält HmscHBERG Sub- limat 1 : 5000 für das wichtigste Mittel der Augenheilkunde, er präcisirt den Gebrauch dieser Lösung kurz dahin: 1. zu Um- schlägen^ 2. zum Auswaschen des Bindehautsackes vor der Opera- tion, 3. zum Abspülen von Wunden, 4. zum Berieseln frischer Wunden des Auges, 5. zu feuchten Verbänden, 6. als Lösungs- 1) Bericht der Ophthalmologischen Gesellschaft. Heidelberg 1893, pag. 94. 2) Ebenda pag. 98.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20397859_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


