Volume 1
Geschichte des deutschen Gesundheitswesens / von Dr. med. Alfons Fischer ... Bearbeitet im Auftrage und mit Förderung des Reichsgesundheitsamtes. Hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft Sozialhygienischer Reichsfachverbände.
- Alfons Fischer
- Date:
- 1933
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Credit: Geschichte des deutschen Gesundheitswesens / von Dr. med. Alfons Fischer ... Bearbeitet im Auftrage und mit Förderung des Reichsgesundheitsamtes. Hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft Sozialhygienischer Reichsfachverbände. Source: Wellcome Collection.
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![Des weiteren belehren uns die aus dem Jahre 1666 stammenden Vorschläge1) für eine M ann- heimer Spita 1 Ordnung über die Vorgänge auf dem Gebiete des Spitalwesens. Für diese Vor¬ schläge wurde, wie es dort heißt, die Heidelberger Spitalord¬ nung vom 20. März 1594 benutzt. Letztere liegt uns als Handschrift2) vor; aber ihr Inhalt stimmt mit den betreffenden Angaben des Mannheimer Schriftstückes wenig überein. Immerhin ist die Heidel¬ berger Ordnung insofern für uns von Wert, als wir ihr entnehmen, daß 1594 an dem dortigen Spital ein »Medicus« und ein »Balbirer« angestellt waren. Aus den Mann¬ heimer Vorschlägen ist folgendes hervorzuheben: Der Verfasser, Stadtdirektor Clignet, wünscht,daß der Medicus den Kranken nicht nur genau untersucht, sondern auch fragt, welcher Nation er angehöre, wie er zu leben gewohnt sei und was er begehre. Denn oft wünscht ein Kranker Absonderliches, was ihm aber doch nützlich ist. Dem Kranken wird mehr durch gute Pflege und gute Speisen als durch viele kostbare fremde Medikamente geholfen, und es sollten im Spital gute Wärterinnen und Köchinnen angestellt werden. Aus Clignets Wunsche, der Krankenhausarzt möge auch die kulturhygienische Umwelt und die individuellen Neigungen der Kranken erforschen, ist zu schließen, daß es gewöhnlich an solcher Umsicht im Spital gefehlt hat. Und die anderen Be¬ merkungen des Stadtdirektors zeigen, daß damals für die Genesung der Spital¬ kranken sorgfältige Pflege und gute Kost die wertvollsten Heilmittel waren. Wie stark der Besuch in den damaligen hervorragenden Krankenhäusern war, darüber belehrt uns eine Statistik, die sich auf die Zustände im Juliusspital zu Würzburg3) erstreckt. Dort schwankte die Zahl der jährlich aufgenommenen Kranken während der Jahre 1589 bis 1599 zwischen 68 und 106, dagegen während der Zeit von 1620 bis 1629 zwischen 131 und 335; der Krieg wird wohl mit schuld an der starken Zunahme gewesen sein. !) Generallandesarchiv zu Karlsruhe [Mannheim, Spitäler, die Errichtung einer Spitalordnung betreffend, Nr. 2709]. Das Schriftstück ist teilweise beschädigt. 2) Generallandesarchiv zu Karlsruhe [Heidelberg-Stadt, Nr. 1904]. Die Handschrift ist teilweise verstümmelt. 3) G. Sticker (Schr.-V., Nr. 159, dort S. 57 und 58). Abb. 70. Krankenhaussaal. (Kupferstich vom Jahre 1682.) Bd. I. 21](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29826755_0001_0345.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)