Volume 1
Geschichte des deutschen Gesundheitswesens / von Dr. med. Alfons Fischer ... Bearbeitet im Auftrage und mit Förderung des Reichsgesundheitsamtes. Hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft Sozialhygienischer Reichsfachverbände.
- Alfons Fischer
- Date:
- 1933
Licence: In copyright
Credit: Geschichte des deutschen Gesundheitswesens / von Dr. med. Alfons Fischer ... Bearbeitet im Auftrage und mit Förderung des Reichsgesundheitsamtes. Hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft Sozialhygienischer Reichsfachverbände. Source: Wellcome Collection.
348/370 (page 324)
![3^4 veröffentlicht. Die Gesundheitswissenschaft wurde dann im weiteren Verlaufe des 17. Jahrhunderts noch erheblich ausgebaut. Zunächst erfolgte der Fortschritt auf einem Teilgebiete der öffentlichen Ge¬ sundheitspflege. Martin Pansa, der erst in Annaberg (Sachsen), dann in Schleusingen ärztlich tätig war, und mit dem wir uns schon zweimal (S. 308 und 317) beschäftigt haben, gab zu Leipzig 1614 sein »Consilium peripneumo- niacum, das ist: Ein getreuer Rath in der beschwerlichen Berg- und Lungensucht« heraus. Das Erscheinen dieser Schrift1) stellt den Beginn der wissen¬ schaftlichen Gewerbehygiene in Deutschland dar. Gestützt auf seine Beobachtungen, führt Pansa in der »Vorrede« seines Buches folgendes aus: Die Bergarbeiter sind »an ihrer Gesundheit gehindert« und »leiden nochmahls auch in ihrer Nahrung Abbruch«. Es werde zwar nie an Hauern und Arbeitern im Bergwerk fehlen; man müsse jedoch bei ihrer Anstellung eine richtige Auswahl treffen, damit die Arbeiter ihren Beruf mit Fleiß ausüben können, aber gesund bleiben und vor dem frühzeitigen Untergange bewahrt werden. Dem Bergwerk sei mit schwachen, untauglichen Arbeitern nicht gedient. Der Bergarbeiter könne in seinem Berufe nicht das genügende Wissen erlangen, wenn er jung stirbt. Viele junge Bergarbeiter müssen in der Blüte der Jahre, wenn man sie so recht brauchen kann, die Arbeit einstellen und hilflos an der Bergsucht sterben. Pansa wollte mit seiner Schrift vor allem die Bergarbeiter belehren, damit sie sich vor der Bergsucht schützen. Demgemäß ist das Büchlein volkstümlich gehalten; die einzelnen Kapitel bestehen aus Darlegungen, in denen die mensch¬ lichen Organe mit Teilen eines Bergwerkes verglichen werden. Der Verfasser betont, es sei ihm nicht bekannt, daß jemals etwas hierüber, insbesondere über die Bergsucht2), veröffentlicht wurde. Aus dem Inhalt der Schrift sei folgendes hervorgehoben: Die Bergsucht entsteht durch Niederschlag der in der Luft befindlichen mineralischen Stoffe auf die I.ungenwand, von wo aus auf dem Blutwege auch die Nieren geschädigt werden können. Von dieser Krankheit werden Erzleute und Knappen sowie alle, die mit dem Bergbau in Berührung stehen, befallen, es handle sich um Silber¬ oder Golderz, Salz, Alaun, Schwefel, Blei, Kupfer, Zinn, Eisen oder Quecksilber. Die Erzarbeiter erkranken ganz besonders an der Lungensucht, dann aber auch an Magengeschwür, Kopfschmerz, Gliedersucht, Schwindsucht, Geschwülsten und dergleichen. Die Bergkrankheit muß sogleich behandelt werden; hier heißt es: principiis obsta! Der oberste Bergherr weiß, daß die Bergleute in den Gruben und Flütten viel dem bösen Wetter, dem Gestank, kalten Dämpfen und giftigem Rauch ausgesetzt sind; daher hat er neben dem Bergwerk eine eigene Apotheke eingerichtet, damit die Arbeiter Arzneien gegen die Lähmungen, Gehirnleiden, Lungenverschleimung und Magenkrankheiten erhalten. Manche erkrankte Berg¬ leute, die Pansas Rat rechtzeitig in Anspruch nahmen, wurden geheilt und er p Diese Schrift ist jetzt sehr selten. Wir benutzten das der Staatsbibliothek zu Berlin ge¬ hörende Exemplar [Jk 9414/100], auf dem der Vermerk »Zuvor niemals in Druck außgangen« aufgedruckt ist. »Auffs neu verlegt und gedruckt« wurde das Buch 1681 in Freiberg i. S.; uns stand von der 2. Auflage das der Bergakademie Freiberg gehörende Stück zur Verfügung. Die 1. Auflage stimmt mit der 2., von nebensächlichen Änderungen der Rechtschreibung abgesehen, völlig überein. Siehe auch Adolf Thiele (Schr.-V., Nr. 175. dort S. 348ff.). 2) Paracelsus (siehe S. 131, Anmerkung 2) wird von Pansa im 19. Kapitel erwähnt.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29826755_0001_0348.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)