Volume 1
Geschichte des deutschen Gesundheitswesens / von Dr. med. Alfons Fischer ... Bearbeitet im Auftrage und mit Förderung des Reichsgesundheitsamtes. Hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft Sozialhygienischer Reichsfachverbände.
- Alfons Fischer
- Date:
- 1933
Licence: In copyright
Credit: Geschichte des deutschen Gesundheitswesens / von Dr. med. Alfons Fischer ... Bearbeitet im Auftrage und mit Förderung des Reichsgesundheitsamtes. Hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft Sozialhygienischer Reichsfachverbände. Source: Wellcome Collection.
355/370 (page 331)
![Berlin und Cölln zu errichte n. Den Entwurf1) einer entsprechen¬ den Ordnung fügten sie bei. Dieser wurde nach einer, wie es scheint, auf Befehl des Kurfürsten erfolgten Umarbeitung angenommen, aber nicht veröffentlicht. Die Antragsteller wandten sich am 12. November 1685 erneut an den Kurfürsten. An diesem Tage hat Friedrich Wilhelm den inzwischen mehrfach beratenen zwei¬ ten Entwurf genehmigt und mit der Überschrift »Kgl. Preußische und c h u r f ü r s 11 i c h b randenburgische Medicinal-Edict und O r d n u n g« bekanntgegeben. Im Hinblick auf die große Bedeutung, welche dem Medizinaledikt innewohnt, bieten wir den ganzen Wortlaut2) in der Anlage 7 (siehe S. 340IL) dar. Das preußische Medizinaledikt enthält zwar nichts, was uns nicht schon aus zuvor anderswo geschaffenen Ordnungen bekannt ist, aber es faßt die wichtigsten Vorschriften zweckentsprechend zusammen. Der Wert dieses Gesetzes liegt darin, daß es, wie Caspar3) sich äußerte, »der Grundstein einer dauerhaften und weithin wirkenden Medizinalpflegc« wurde. Dies gilt nicht nur für Preußen; denn das Vorbild dieses machtvollsten deutschen Staates wurde auch in anderen Län¬ dern nachgeahmt, so in Hannover, wo 1716 ein Collegium chirurgieum gebildet wurde. 16. Hygienische Volksbelehrung Schon vor dem Beginn des 17. Jahrhunderts ist, wie wir oben (S.iSSff.) dargelegt haben, auf dem Gebiete der hygienischen Volksbelehrung viel Gutes geleistet wor¬ den. Im 17. Jahrhundert hat diese Betätigung noch erheblich zugenommen, und zugleich ist die für die Wirkung sehr wichtige Form der Darbietungen vielfach bedeutend künstlerischer geworden. Auf welche Höhe, dem Inhalt und der Form nach, die hygienische Volksbeleh¬ rung durch den Tiroler Arzt Guarinonius geführt wurde, haben wir oben (S. 2S5 ff.) gezeigt. Auch zahlreiche andere deutsche Ärzte haben während des 17. Jahrhunderts Schriften veröffentlicht, um die breiten Volksschichten gesund¬ heitlich aufzuklären, darunter z. B. Carrichter4), der Leibarzt des Kaisers Maximilian II. und Pansa5), dessen Verdienste um die Gewerbehygiene und die Bekämpfung der Schwindsucht wir oben (S.324 u. 317 ff.) erörtert haben. Aber keiner von allen reicht hinsichtlich der Sprachschönheit und des ethischen Gehaltes an Guarinonius heran. Immerhin sei bemerkt, daß Pansa am Schlüsse seines 886 Seiten umfassenden »Güldenen Kleinods« eine kurze Übersicht über den Inhalt *) Den Wortlaut dieses und des 2. Entwurfes hat Moritz Pistor (Geschichte der preußischen Medizinalverwaltung«, Deutsche Vierteljahrsschrift für öffentliche Gesundheitspflege, Bd. 40 [1908], Heft 2 bis 4, sowie Bd. 41 [1909], Heft 2) abgedruckt. 2) Siehe »Corpus constitutionum marchiacarum« (siehe S. 294, Anmerkung 4, dort Teil 5, Ab¬ teilung 4, Sp. 11). — Es ist bezeichnend für die damaligen Sitten an deutschen Fürstenhöfen, daß das Edikt in deutscher und französischer Sprache veröffentlicht wurde. 3) Caspar Blick auf die Fortschritte der Ivön. Preuss. Medizinalverfassung bei ihrem hundertjährigen Jubiläum«, Journal für praktische Heilkunde, herausg. v. Hufeland, 1S28, 1. Stück. 4) Bartholom aeusCarrichter Tractat derTeutschen Speißkammer«, Nürnberg 1631. 5) Martin Pansa »Köstlicher und heilsamer Extract der gantzen Artzneykunst, darinnen kürzlich die Ursachen des langen und kurtzen Lebens . . . beschrieben . . .«, Leipzig 1618 : ferner »Güldenes Kleinod menschlicher Gesundheit«, Leipzig 1626.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29826755_0001_0355.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)