Volume 1
Handbuch der Topographischen Anatomie : zum Gebrauch für Ärtze / von Fr. Merkel.
- Friedrich Sigmund Merkel
- Date:
- 1885-1907
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Credit: Handbuch der Topographischen Anatomie : zum Gebrauch für Ärtze / von Fr. Merkel. Source: Wellcome Collection.
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![Gegend der Spina supr. meat. kann in sehr seltenen Fällen selbst ein grösserer Defect der Knochenwand vorkommen ]). Die Umgebung der Pars mastoidea und des in ihm liegenden Antrum wurde zwar schon einige Male kurz erwähnt, doch bedarf dieselbe ihrer grossen Bedeutsamkeit wegen einer eingehenden und zusammenhängenden Beschreibung, da sie sowohl bei Operationen in Frage kommt, wie auch bei der Entstehung von Fistelgängen vielfach eine grössere Rolle spielt. Man mag vom Antrum aus eine Richtung einschlagen, welche man will, überall sind die umgebenden Gebilde wichtig, manchmal selbst lebens- wichtig. Die Berücksichtigung dieser gefährlichen Nachbarschaft ist es auch, welche den gewiegtesten Kenner der Operation der Eröffnung des Warzenfortsatzes (Schwartze) veranlasst, dieselbe nur für den Fall der Indicatio vitalis zu empfehlen. Ueber die obere Bedeckung der in Rede stehenden Gegend durch das Tegmen tympani ist nichts zu sagen, da hierüber schon bei Besprechung der Paukenhöhle alles Nöthige beigebracht wurde; auch für die Sutura petro-squamosa gilt für das Bereich des Antrum dasselbe, wie für das Bereich der Paukenhöhle. Es sei noch einmal daran erinnert, dass nach vorn am Eingang in das Antrum mastoideum der horizontale Bogengang und unter ihm der Facialcanal liegen. Beide sind von einem unvorsichtig eindringenden Meissel gefährdet, besonders der letztere, welcher mit seiner ungemein dünnen Wand an dieser Stelle nur der Berührung bedarf, um zu zerbrechen. Auch an den absteigenden Theil des Canales treten die Warzenzellen nahe heran. In der That hat man nach Operationen in dieser Gegend ausgedehnte Lähmungen im Gebiete des N. facialis eintreten sehen. Nach hinten und medianwärts vom Warzentheil liegt der Sinus transver- sus, welcher hier in einer tiefen Furche des Knochens (Sulc. transversus, sig- moideus) Platz findet. Er bildet bei der Operation der Eröffnung des Antrums weitaus die grösste Gefahr und muss besonders ängstlich ver- mieden werden. Trotz aller Vorsicht aber ist er seiner zuweilen äusserst un- günstigen Lage wegen selbst von gewandten Chirurgen verletzt worden, immer ein sehr ernster Zufall. Die ungemein zahlreichen Verschiedenheiten im Verlaufe des Sinus und in seinem Verhalten zum Knochen bringen es mit sich, dass wirklich bestimmte Maassangaben nicht gemacht und sichere Verhaltungsmaassregeln zu seiner Vermeidung nicht gegeben werden können, doch ist immerhin Manches zu berichten, was für den Operateur von Werth sein kann. „Während der Sulcus für den Sinus, so sagt Bezold-2), in einzelnen Fällen kaum ausgesprochen ist, hat sich der Sinus in anderen Fällen ein so tiefes Bette gegraben, dass seine Höhlung einen grossen Theil der Pars mastoidea ausfüllt. Je tiefer die Fossa sigmoidea ist, um so schärfer umgebogen ist ihre obere Flexur, es liegt dann überhaupt das ganze Bette des Sinus weiter nach vorn und legt sich so zwischen Pars 2) Zuckerkandl, Ueber eine typ. Spaltbildung an d. hint. Wand d. äuss. Gehörg. Monatsschr. f. Ohrenheilk. 1878, S. 46. Auch Bürkner, Areh. f. Ohren- beilk. 1878, XIII, S. 189, beschreibt einen ähnlichen Fall. 2) Monatsschrift f. Ohrenheilk. 1873, Nr. 11, S. 134.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20416301_001_0582.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


