Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong.
- Alexius Meinong
- Date:
- 1913
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Credit: Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong. Source: Wellcome Collection.
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![scharf abgegrenzt. Er meint, dafs dieser Terminus ,am besten dient, um für alles zu stehen, was immer, wenn einer denkt, Objekt des Verstandes ist; ich habe ihn1, fügt er hinzu, .gebraucht, um da- mit auszudrücken, was mit Phantasma, Begriff, Spezies gemeint ist, oder was es sonst sein mag, über das zu denken der Ver- stand angewendet werden kann1.1 Man merkt sofort das Ungeuaue dieser Bestimmungen. Ein Phantasma ist in der Regel nicht Objekt des Verstandes (wenn dieser nicht etwa mit psycho- logischen Betrachtungen beschäftigt ist) sondern eine Vorstellung, das hingegen, was vorgestellt, über was gedacht wird, ist nicht Vorstellung, sondern Vorstellungsgegenstand.[2] So ist mit dem Worte ,Idee‘ eine Unklarheit eingeführt, welche, so wie sie auf die Entwicklung des englischen Idealismus, zunächst der Theorie Berkeleys, nicht ohne erheblichen Einflufs gewesen sein dürfte2, bei Locke selbst die Seltsamkeit im Gefolge hat, dafs z. B. psychische Vermögen als Ideen der Reflexion3, Lust und Schmerz als Ideen der Sensation und Reflexion4 behandelt werden. Dieser Umstand beeinträchtigt einigermafsen das Ver- dienst, das sonst darin liegen würde, dafs Locke die Relationen als Ideen in Betracht gezogen hat. Indes ist Lockes Forschungs- weise mit der lebendigen Anschauung viel zu eng verflochten, als dafs ein schiefer Begriff seinen gesunden Blick in der Einzel- untersuchung hätte empfindlich trüben können. Was wir Relation nennen, meint Locke, ist eine Gattung von komplexen Ideen, charakterisiert durch .Betrachtung und Vergleichung einer Idee mit einer anderen1.5 Wenn der Ver- stand mit irgend einem Dinge beschäftigt ist, so braucht er sich nicht auf dieses Objekt zu beschränken; sondern ,kann eine Idee sozusagen über diese selbst hinausführen, oder doch wenigstens über sie hinausblicken, um zu sehen, wie sie zu [11(581)] einer anderen steht. Sobald der Geist ein Ding in der Weise betrachtet, dafs er es gleichsam zu einem anderen Dinge bringt, neben dieses stellt und seinen Blick von einem zum anderen 1 Introduction, sect. 8. 2 Vielleicht geht dieser Einflufs noch weiter; wenigstens ist auffallend, dafs Schopenhauers Grundposition (Welt als Wille und Vorst. Bd. I, S. 3) denselben Fehler aufweist, wie die Berkeleys. 3 Essay conc. hum. undorst. b. II. chapt. IX—XI. 4 Ibid. chapt. VII. B Ibid. b. II. chapt. XII, sect. 7](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28066819_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


