Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong.
- Alexius Meinong
- Date:
- 1913
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Credit: Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong. Source: Wellcome Collection.
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![scheint hier noch augenfälliger hervorzutreten als bei der Kau- salität. Als das Phänomen, auf dem die ganze Klasse der Zeitvor- stellungen basiert, erscheint Locke die einfache Idee der Suk- zession, welche vorwiegend dem Gebiete der Reflexion angehört, indem sie sich aus der Betrachtung unserer Gedankenzüge er- gibt1 II; die Distanz zwischen irgendwelchen Teilen dieser Suk- zession heilst Dauer2, gemessene Dauer heilst Zeit.3 Das sind Bestimmungen, durch welche die Relativität jedes Zeitdatums ausgesprochen ist, so dafs Locke zu wenig sagt, wenn er seine kurzen Bemerkungen über die Zeitrelation mit der Behauptung einleitet, die meisten Benennungen der Dinge, die von der Zeit herrührten, seien relativ.1 Indes zeigen die Beispiele, dafs Locke hier Relationen ganz spezieller Art im Auge hat. Sagt jemand, die Königin Elisabeth habe 69 Jahre gelebt, 45 Jahre regiert, so ist damit nur ausgesprochen, dafs die Dauer ihrer Existenz, bzw. ihrer Regierung gleich sei der Dauer von 69 resp. 45 Sonnenumläufen5, — und selbst Prädikate, die so posi- tiv scheinen wie: jung, alt u. dgl., schliefsen, näher betrachtet, die Relation zu einer Dauer ein, deren Idee wir im Geiste haben. Denn diese Worte sind nur auf Dinge anwendbar, an denen wir nach Ablauf einer bestimmten Zeit Verfall und Ende beobachtet und uns so eine Art Mafs gebildet [16(586)] haben, mit dem wir die einzelnen Teile einer Dauer vergleichen, wenn wir einen Menschen von 20 Jahren jung, ein Pferd von 20 Jahren alt, andererseits ein Pferd von 7 Jahren jung, einen Hund von 7 Jahren alt nennen usw. 6 In völlige Analogie zu den Zeitrelationen treten die Raum- relationen. Auch der Raum bietet im Sinne Lockes nur Rela- tives; denn als Grundphänomen tritt hier die der Sensation (Ge- sichts- und Tastsinn) entstammende ,einfache Idee der Distanz17 I Ess. b. II, ch. VII, sect. 9. 2 Ess. b. II, cli. XIV, sect. 3. 3 Ibid. secfc. 17. * Ess. b. II, ch. XXVI, sect. 3. 0 Ibid. II Ess. b. II, ch. XXVI, sect. 4. . Sie ist nicht ausdrücklich ais einfache Idee bezeichnet, doch scheint es der Zusammenhang in folgender Stelle (Ess. b. II, ch. XIII, sect. 2) dar- zutun: ,Ich will mit der einfachen Idee des Raumes beginnen. Ich habe oben, im vierten Kapitel, dargetan, dafs wir die Idee des Raumos sowohl durch unseren Gesichts- als durch unseren Tastsinn erhalten, was, wie ich denke, so evident ist, dafs es ebenso zwecklos wäre, zu beweisen, dafs die](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28066819_0031.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


