Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong.
- Alexius Meinong
- Date:
- 1913
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Credit: Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong. Source: Wellcome Collection.
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![plexe Sinn der betreffenden Rede zusammensetzt. Und noch deutlicher als einzelne Sätze sind Satzfolgen, in denen Syllogismen oder gar Schlufsketten zum Ausdrucke gelangen, gleichviel, ob dabei die in der Logik akkreditierten „Formen“ gewahrt sind oder nicht. Von Alters her setzt man der unmittelbaren Evidenz mancher Urteile die mittelbare Evidenz anderer entgegen: was sollte man sich aber zuletzt unter dieser mittelbaren Evidenz denken, wenn nicht eine Evidenz, die ein Urteil aus einem oder mehreren anderen Urteilen schöpft ? Und wie liefse sich aus den Prämissen — unter ausreichend günstigen Umständen — Evidenz für die Konklusio schöpfen, wenn die Quelle für die Evidenz der Prämissen, die diesen zugrunde liegenden Vor- stellungen resp. deren Gegenstände, beim Fällen der Konklusio nicht mehr „gegeben“ wären [92] ? Dennoch sind für die innere Wahrnehmung Vorstellungen, wie Gegenstände, soweit sie nicht auch an der Konklusio beteiligt sind, in der Regel entschwunden, und die ganze für alle Erkenntnis so fundamentale Tatsache der Evidenz Vermittelung bleibt jedem Verständnis entrückt, bis man sich entschliefst, die Lücken, welche das Material innerer Wahrnehmung aufweist, mit Hilfe theoretischer Konstruktion zu ergänzen. Es ist nun freilich nicht zu verkennen, dafs dies und Ähn-[267] liches weder unter allen Umständen gleiche Beweis-, noch für alle Untersuchenden gleiche Überzeugungskraft haben wird. Ohne Zweifel zeigt sich* vor allem die innere Wahrnehmung unter besonderen Umständen einmal auch besonders leistungs- fähig und läfst dann z. B. auch die Fortdauer von Vorstellungen während einer längeren gehörten Rede deutlich erkennen. Wenn man etwa zum Zwecke einer wichtigen Verrichtung eine An- weisung erhält, namentlich wenn durch eine Beschreibung klar- gemacht werden soll, was vielleicht natürlicher durch eine Zeich- nung verständlich zu machen wäre, da kann man zuweilen recht wohl beobachten, dafs man ein Stück nach dem anderen, wie es die Folge der Wörter oder Sätze bietet, festhält, um dann alles zu der erforderlichen Komplexion zusammenzufügen [!):{]. Ferner werden gewifs auch in dieser Sache subjektive Verschiedenheiten nicht fehlen: direkte Zeugnisse, wie Schumann deren kurz ab- lehnt,1 werden mindestens nicht ohne weiteres zur Seite zu 1 Zeitschrift für Psychologie, 17, 120, 121.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28066819_0480.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


