Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong.
- Alexius Meinong
- Date:
- 1913
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Credit: Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong. Source: Wellcome Collection.
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![und der Geltungsbereich dieses Prinzips erhellt am besten im Hinblick auf den Umstand, dafs diesem Prinzipe nicht nur Gegen- stände unterstehen, die eben faktisch nicht existieren, sondern auch solche, die nicht existieren können, weil sie unmöglich sind [13j. Nicht nur der vielberufene goldene Berg ist von Gold, sondern auch das runde Viereck ist so gewifs rund als es viereckig ist. Ein- sichten von wirklichem Belang wird man ja freilich in betreff solcher Gegenstände nur ausnahmsweise zu verzeichnen haben: gleichwohl dürfte auch von hier einiges Licht auf Gebiete fallen, die des Erkannt Werdens in vorzüglichem Mafse würdig sind. Lehrreicher jedoch als der Hinweis auf derlei dem natür- lichen [9] Denken immerhin schon ziemlich fremdartige Dinge ist die Erinnerung an die triviale, den Bereich des Seinsobjektivs noch nicht überschreitende Tatsache, dafs ein beliebiges Nicht- seiendes den Gegenstand mindestens für solche Urteile abzugeben imstande sein mufs, die dieses Nichtsein erfassen [14], Es ist dabei ganz unwesentlich, ob dieses Nichtsein ein notwendiges oder blofs tatsächliches ist, — nicht minder, ob im ersteren Falle die Notwendigkeit dem Wesen des Gegenstandes oder ob sie Mo- menten entspringt, die dem betreffenden Gegenstände äufserlich sind. Um zu erkennen, dafs es kein rundes Viereck gibt, mufs ich eben über das runde Viereck urteilen. Wenn Physik, Physiologie und Psychologie übereinstimmend die sogenannte Idealität der sensiblen Qualitäten behaupten, so ist damit implicite sowohl über die Farbe wie über den Ton etwas ausgesagt, nämlich, dafs es streng genommen jene so wenig gibt wie diesen [15]. Wer paradoxe Ausdrucksweise liebt, könnte also ganz wohl sagen: es gibt Gegen- stände, von denen gilt, dafs es dergleichen Gegenstände nicht gibt; und die aller Welt so geläufige Tatsache, die damit gemeint ist, wirft ein so helles Licht auf das Verhältnis der Gegenstände zur Wirklichkeit resp. zum Sein überhaupt, dafs ein etwas näheres Eingehen auf die auch an sich fundamental wichtige Sache ganz und gar in den gegenwärtigen Zusammenhang gehört. § 4. Das Aufsersein des reinen Gegenstandes. Das Paradoxon, das hier wirklich vorzuliegen scheint, zu beseitigen, dazu bietet sich der Rekurs auf gewisse psychische Erlebnisse ziemlich natürlich dar, und ich habe das Wesentlichste](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28066819_0506.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


