Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong.
- Alexius Meinong
- Date:
- 1913
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Credit: Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong. Source: Wellcome Collection.
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![dargetan habe,1 eine Annahme affirmativer Qualität: um A zu negieren, mufs ich vorerst das Sein des A annehmen [19]. Damit nehme ich freilich auf ein gewissermafsen vorgegebenes Sein des A Bezug: [12] aber es liegt ja im Wesen der Annahme, dafs sie sich auf ein Sein richtet, das selbst nicht zu sein braucht. So böte sich also am Ende doch die ohne Zweifel sehr be- ruhigende Aussicht, jenes wunderliche Sein des Nichtseienden für ebenso absurd nehmen zu dürfen als es klingt, schiene nicht das seiende Objektiv auf alle Fälle ein seiendes Objekt zu verlangen. Inzwischen beruht diese Forderung nur auf der Analogie zum Ver- halten des Teiles zum Ganzen: das Objektiv wird dabei als eine Art Komplex, das zugehörige Objekt als eine Art Bestandstück behandelt. Das mag in mancher Hinsicht unserem zurzeit noch so überaus mangelhaften Einblicke in das Wesen des Objektivs ganz gemäfs sein: dafs aber die Analogie doch nur ein erster Ver- legenheitsbehelf ist, und dafs man kein Recht hätte, sie auch nur emigermafsen streng zu nehmen, wird niemand verkennen. Statt also auf Grund einer fragwürdigen Analogie aus dem Sem des Objektivs ein Sein seines Objektes auch für den Fall abzuleiten, wo jenes Objektiv ein Nichtseinsobjektiv ist, wird man sich besser aus den Tatsachen, die uns beschäftigen, darüber belehren lassen, dafs jene Analogie für Nichtseinsobjektive eben nicht gilt, d. h. also, dafs das Sein des Objektivs keineswegs allgemein auf das Sein seines Objektes angewiesen ist [20], Es ist das eine Position, die nun ohne weiteres auch für sich selbst spricht: ist der ganze Gegensatz von Sein und Nichtsem erst Sache des Objektivs und nicht des Objektes, dann ist es ja im Grunde ganz selbstverständlich, dafs im Gegenstände für sich weder Sein noch Nichtsein wesentlich gelegen sein kann. Das besagt natürlich nicht, dafs irgendein Gegenstand einmal weder sein noch nicht sein könnte. Ebensowenig ist damit behauptet, dafs es der Natur eines jeden Gegenstandes gegenüber rein zufällig sein müfste, ob er ist oder nicht ist: ein absurder Gegenständ wie das runde Viereck trägt die Gewähr seines Nichtseins in jedem Sinne, ein idealer Gegenstand wie Verschiedenheit die seiner Nichtexistenz in sich. Wohl aber könnte, wer den Anschlufs an berühmt gewordene Muster suchte, das, was sich uns oben ergeben hat, etwa zu der Behauptung formulieren, der Gegenstand als 1 A. a. O. S. 105ff.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28066819_0509.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


