Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong.
- Alexius Meinong
- Date:
- 1913
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Credit: Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong. Source: Wellcome Collection.
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![also zunächst wohl vorgestellt haben: damit ist er aber in die Reihe jener pseudoexistierenden Gegenstände getreten, die auch die Psychologie angehen. Denke ich also an ein Weifs, das heller ist, als je ein menschliches Auge eines gesehen hat oder sehen wird, so ist dieses Weils trotzdem ein vorgestelltes Weifs, und nie könnte sich insofern eine wie immer beschaffene Theorie auf ein Unvorgestelltes beziehen. Der Gedanke erinnert einigermafsen an das seltsamerweise immer noch nicht ganz vergessene Argument der „Idealisten“, dafs „esse“, wenn auch nicht gerade „percipi“, so doch jedenfalls „cogitari“ deshalb sein müsse, weil niemand ein „esse“ denken kann, ohne — es zu denken. Und jedenfalls dürfte die Wirkung solcher Erwägungen ihrer Absicht eher entgegen als gemäfs sein. Ist nämlich etwa das erwähnte Ultraweifs einmal durch eine darauf gerichtete Konzeption in den Bereich theoretischen Nach- denkens einbezogen, dann könnte aus dem so neu ins Leben ge- tretenen psychischen Geschehnis für die Psychologie gar wohl neue Arbeit erwachsen. Unerläfslich ist es freilich keineswegs: gerade im Falle des vorliegenden Beispieles ist es kaum zu er- warten, da es verwandter Konzeptionen auch sonst schon die Fülle gibt. Aber die Möglichkeit ist sicher ins Auge zu fassen; und ist sie einmal wirklich realisiert, dann wird gerade besonders deutlich, wie wenig etwa die Konzeption des Ultraweifs schon selbst Psychologie ist. Die Gegenstandstheorie hat durch diese Konzeption ihre Arbeit gewissermafsen bereits getan, die Psycho- logie aber hat daraufhin die ihre eventuell erst zu tun; und da wäre es doch seltsam genug, die getane Arbeit um der erst zu tuenden willen schon für eine psychologische zu nehmen. § 6. Gegenstandstheorie als Theorie der Erkenntnis- gegenstände. Was sonach die Psychologie in keiner Weise zu leisten ver- mag, möchte mit weit besseren Aussichten dort zu suchen sein, wo Tatsachen untersucht werden, an deren Charakteristik dem [18] Gegenstände ein konstitutiver Anteil zukommt. Nach Früherem kann nicht wohl zweifelhaft sein, dafs im Erkennen Tatsachen dieser Art vorliegen. Erkennen ist ein Urteilen, das nicht etwa blofs zufällig, sondern seiner Natur nach, sozusagen von innen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28066819_0514.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


