Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong.
- Alexius Meinong
- Date:
- 1913
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Credit: Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong. Source: Wellcome Collection.
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![matik zur Gegenstandstheorie dadurch einigermafsen verdunkelt, dafs im Gebiete der letzteren die Mathematik nicht eine, sondern, zurzeit wenigstens, die einzige in ihrer Eigenart bekannte und anerkannte Spezial Wissenschaft repräsentiert. Dadurch ist der Gegenstandstheorie vorerst eine doppelte, in ihren Teilen vielleicht recht ungleichartige Aufgabe zugewiesen, einerseits die einer Wissen- schaft von allergröfster Allgemeinheit resp. Umfänglichkeit, andererseits die, gewissermafsen an die Stelle sämtlicher ein- schlägigen Spezialwissenschaften zu treten, denen eine Sonder- behandlung bisher nicht zuteil geworden ist. Durch die hierin liegende Nötigung, im Bedarfsfälle auch in relativ speziellere Gebiete herabzusteigen, wird dann unvermeidlich wieder der Charakter der Allgemeinwissenschaft verdunkelt, und die Sub- sumtion der Mathematik in das Gebiet der Gegenstandstheorie kann dann leicht die Eigenart und Eigenberechtigung der ersteren zu bedrohen scheinen. Aber derlei Äufserlichkeiten und Zufälligkeiten dürfen der Einsicht in die innere Zusammengehörigkeit, soweit eine solche vorliegt, nicht in den Weg treten. Am besten wird man vielleicht der immerhin nicht ganz einfachen Sachlage Rechnung tragen, wenn man etwa sagt: Mathematik ist sicher nicht Gegenstands- theorie, sondern nach wie vor eine Wissenschaft für sich; aber ihre Gegenstände liegen im Bereiche dessen, das in seiner Totalität die auch ihrerseits eigenberechtigte Gegenstandstheorie zu be- arbeiten hat [29]. § 10. Gegenstandstheoretisches in anderen Wissen- schaften. Allgemeine und spezielle Gegenstandstheorie. Die Wissenschaftslehre kann dem Stoffe gegenüber, mit dem sie es zu tun hat, das ist den verschiedenen Wissenschaften gegen- über, je nach Umständen einen doppelten Standpunkt einnehmen. Am natürlichsten geht es sicher zu, wenn sie sich an das Prinzip aller Tatsachen Wissenschaft halten kann: erst die Tatsachen, dann die Theorie. Erst müssen eben die mancherlei Wissenschaften gegeben sein: dann mag sich das Bedürfnis geltend machen, auf ihr Wesen und gegenseitiges Verhältnis etwas näher einzugehen. Aber Wissenschaft ist, zum Teil wenigstens, auch das Ergebnis](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28066819_0525.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


