Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong.
- Alexius Meinong
- Date:
- 1913
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Credit: Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong. Source: Wellcome Collection.
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![stände anlangen. Wir können in diesem Sinne, und wäre es auch nur zur augenblicklichen Verständigung, spezielle und allgemeine Gegenstandstheorie [36] auseinanderhalten. Nun wurde oben bereits darauf hingewiesen, dafs spezielle, in gewissem Sinne speziellste Gegenstandstheorie in der Mathematik die glänzendste Repräsentation gefunden hat, die man sich nur wünschen kann. Dieser Glanz hat längst zu dem Streben geführt, die Behandlungsweise „more mathematico“ auch anderen Wissens-, ich darf wohl kurzweg sagen, Gegenstandsgebieten zugänglich zu machen, und es wird schwerlich ein erheblicher Fehler unterlaufen, wenn hinzugefügt wird: wo ünmer solche Versuche unternommen worden sind, hat man zugleich auch versucht, spezielle Gegen- standstheorie auf aufsermathematischem Gebiete zu treiben. Frei- lich darf dabei nicht etwa jede Anwendung mathematischer Ver- fahrungsweisen mit in Anschlag gebracht werden: wenn der Kauf- mann oder der Ingenieur rechnet, so hat er dabei mit Gegenstands- theorie so wenig zu tun, als mit sonst einer Theorie. Aber ge- wisse gegenständliche Voraussetzungen liegen natürlich auch jeder solchen praktischen Anwendung zugrunde, und es ist damit nicht anders bewandt, wenn die Anwendung einmal im theoretischen Interesse erfolgt. Dabei kann die Natur dieser Voraussetzungen gegenüber der die ganze Aufmerksamkeit beanspruchenden Rechen- technik völlig in den Hintergrund treten, wie am deutlichsten das Beispiel der Wahrschehilichkeitslehre oder auch der Fehlertheorie [31] beleuchtet, deren natürliche Zugehörigkeit zur Logik resp. Psychologie auch heute noch keineswegs von jedermann erkannt oder gar anerkannt sein wird. Die Natur dieser Voraussetzungen nun kann die betreffenden Rechnungsoperationen eventuell ganz direkt in den Dienst der Gegenstandstheorie stellen [37], wie sich leicht am Beispiele der Kombinationslehre ersehen läfst. Bereit- williger als die Arithmetik scheint indes noch die Geometrie gegen- standstheoretischen Feststellungen über ihre engsten Grenzen hinaus die Hand zu bieten. Betrachtet man nämlich wie bei jener die Zahlengröfsen, so bei dieser die Raumgröfsen als das ihr eigent- lich zugehörige Gebiet, dann ist bereits alles, was sich als die jedermann so geläufige Übertragung geometrischer Betrachtungs- weisen vom Raume auf die Zeit darstellt, aufsermathematisch, zugleich aber, weil an die sogenannte Realität, genauer an die wirkliche Existenz der Zeit in keiner Weise gebunden, gegenstands- theoretisch. Dafs von der Phoronomie Analoges noch in weit](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28066819_0527.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


