Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong.
- Alexius Meinong
- Date:
- 1913
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Credit: Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong. Source: Wellcome Collection.
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![höherem Mai'se gilt, versteht sich; und hat, was mir kaum abzu- weisen scheint, A. Höfi.er Recht, wenn er neben Raum und Zeit auch noch Spannung als das „dritte Grundphänomen der Mechanik“ in Anspruch nimmt1, so ist damit eine weitere Richtung gekenn- zeichnet, in der diese Wissenschaft unbeschadet ihres von Natur empirischen Charakters durch möglichst weitgehende apriorische Bearbeitung ihrer Objekte den Interessen der Gegenstandstheorie entgegenkommt. Noch deutlicher wird dieses über sich Hinausgreifen der geo- metrischen Betrachtungsweise dort, wo es vermöge der Eigenart des einbezogenen Gebietes nur teilweise gelingt. In dieser Hin- sicht sind die Bemühungen der modernen Psychologie, die den ver- schiedenen Sinnen zugehörigen „Empfindungsgegenstände“2 zu ordnen und ihre Mannigfaltigkeiten wo möglich durch räumliche Abbildung zu erfassen, besonders lehrreich; und wenn auch selbst dort, wo diese Bemühungen bisher die greifbarsten Ergebnisse zu- [32] tage gefördert haben3, beim Lichtsinne, die Bezeichnung „Earbengeometrie“ ein noch bei weitem nicht verdientes Lob in sich schliefst, so tritt doch gerade darin der weit mehr gegen- standstheoretische als psychologische Charakter der einschlägigen Untersuchungen in besonders unverkennbarer Weise zutage [38]. Hoffentlich ist es nicht allzu persönlich, wenn ich an dieser Stelle berichte, dafs mir erst während des vermeintlich ausschliefslich psychologischen Bemühens, in der Klärung dieser Dinge vorzu- dringen, manches vom Wesen der gegenstandstheoretischen Frage- stellungen in ihrer ganzen Allgemeinheit aufgegangen ist. Was ich eben als das Übergreifen mathematischer Betrach- tungsweise über ihr engstes Gebiet bezeichnet habe, hat den Charakter des Instinktiven, Unbewufsten im Vergleiche mit den ganz ausdrücklich auf Erweiterung jenes Gebietes und möglichste Verallgemeinerung der Fragestellungen gerichteten Bestrebungen, die wohl schon unter dem Namen der allgemeinen Funktionen- 1 A. Höfler, „Zur gegenwärtigen Naturphilosophie“, S. 84 (24 der Sonderausgabe), Anm. 23, auch S. 164 (104). Die „Dimensionslehre , auf die a. a. O. S. 147 (87) hingewiesen wird, verdient wohl ebenfalls im gegenwärtigen Zusammenhang angeführt zu werden. 2 Ein mir sehr brauchbar scheinender Terminus Witaseks (vgl. dessen „Grundlagen der allgemeinen Ästhetik“, Leipzig 1904, S. 36ff.). 3 Vgl. meine „Bemerkungen über den psychologischen Farbenkörper usw.“ a. a. O. S. öff.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28066819_0528.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


