Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong.
- Alexius Meinong
- Date:
- 1913
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Credit: Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong. Source: Wellcome Collection.
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![theorie, unverkennbar aber in Bezeichnungen wie „Ausdehnungs- lehre“, „Mannigfaltigkeitslehre“, wohl auch unter dem so viel rnifs- deuteten Schlagworte „Metamathematik“ zur Geltung gekommen sind. Von dem für uns an dieser Stelle mafsgebenden Gesichts- punkte aus besehen repräsentieren die einschlägigen hochbedeut- samen Untersuchungen den Übergang von der speziellen zur all- gemeinen Gegenstandstheorie [39], Eine ähnliche Stellung mag m mancher Hinsicht den sonst so völlig anders intentionierten Bestrebungen und Ergebnissen zukommen, die man sich unter den Gesamtnamen „mathematische Logik“ zusammenzufassen gewöhnt hat [40], Dagegen wird das trotz des philosophiegeschichtlichen Wissens unserer Zeit vorerst kaum annähernd Einzuschätzende an wertvollen Aufstellungen und Anregungen, welche (nicht mathe- matische) Logik, Erkenntnistheorie und Metaphysik von Aristoteles bis auf die Gegenwart zur Durchforschung des uns hier beschäftigen- den Interessenkreises beigesteuert hat, wohl in allererster Linie der allgemeinen Gegenstandstheorie zustatten kommen. Das Nämliche gilt aber auch von der Sprachwissenschaft, insbesondere Grammatik, deren Bedeutung zwar weder von alter noch von neuer Logik [33] übersehen worden ist, indes schwerlich recht gewürdigt werden konnte, ehe man im Wesen von Wort- resp. Satzbedeutung Objekt resp. Objektiv erkannt hatte1 [41]. So völlig verschieden die Dinge im ganzen auch stehen, man fühlt sich doch versucht zu behaupten, die allgemeine Gegenstandstheorie habe von der Grammatik in ähnlicher Weise zu lernen, wie die spezielle Gegen- standstheorie von der Mathematik lernen kann und soll. Wie dieser rasche Umblick trotz seiner Flüchtigkeit dartut, ist die Gegenstandstheorie keineswegs in allen Dingen erst auf zu leistende Arbeit angewiesen. Eher fast könnte die Frage entstehen, ob das hier versuchte Eintreten für eine „Gegenstandstheorie“ mehr zu bedeuten habe als einen neuen Namen für eine alte Sache. Und leicht könnte man dann finden, dafs es für zu leistende For- schungsarbeit gleichgültig genug sein möchte, ob sie von einem Mathematiker, Physiker, Logiker oder — Gegenstandstheoretiker untemommmen werde. Indes läge in dieser letzten Wendung ein Mifsverständnis, dem bereits im Anfänge dieser Darlegungen ausdrücklich entgegengetreten worden ist [42], Es ist sicher einerlei, wer theoretische Probleme löst und unter welchem Namen er es 1 Vgl. „Über Annahmen“, besonders S. 19ff., 175ff. Meinong, Gesammelte Abhandlungen. Bd. II. 33](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28066819_0529.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


