Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong.
- Alexius Meinong
- Date:
- 1913
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Credit: Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong. Source: Wellcome Collection.
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![tut. Sollte es auch gelingen, die Anerkennung der Gegenstands- theorie als besonderer Disziplin durchzusetzen, so wird man nach wie vor Mathematikern wie Physikern, Sprachforschern wie den Vertretern welcher sonstigen Wissenschaft immer für tatkräftige Förderung der gegenstandstheoretischen Interessen dankbar sein dürfen, und dies- auch dann, wenn sie dabei den Rechtsboden iliiei eigenen Wissenschaft nicht verlassen zu haben meinen. Da- gegen dürfte es für viele, wo nicht die meisten einschlägigen Ar- beiten, wie sonst so häufig, von gröfstem Belange sein, von der Natur der zu lösenden Aufgabe eine möglichst klare Vorstellung zu haben: die Verschärfung alter, das Hinzutreten neuer frucht- barer Fragestellungen ist eine natürliche Folge. Schon der Um- stand, dafs die eben zusammengestellten, zunächst so verschieden- artig scheinenden Probleme und Bestrebungen sich unter dem Gesichtspunkte dei Gegenstandstheorie als zusammengehörig dar- stellen, gewährleistet den Wert dieses Gesichtspunktes. [34] § 11. Philosophie und Gegenstandstheorie. Darf ich hoffen, durch das Bisherige die Eigenberechtigung der Gegenstandstheorie gegenüber den übrigen Wissenschaften ausreichend dargetan zu haben, so mag es nun an der Zeit sein, auch ihrem Verwandtschafts Verhältnis zu diesen übrigen Wissen- schaften einige Aufmerksamkeit zu schenken, mit anderen Worten: den Ort der Gegenstandstheorie im Systeme der Wissenschaften einigermafsen zu bestimmen. Die Schwierigkeiten, mit denen man sich dabei abfinden mufs, namentlich wenn man von einigermafsen befriedigenden Definitionen der betreffenden Wissenschaften aus- zugehen bemüht ist, sind keineswegs ausscliliefslich auf Rechnung der Gegenstandstheorie oder der hier vertretenen „Idee“ derselben zu setzen. Denn an den verschiedensten Wissenschaften kann man immer noch erkennen, wie wenig sie sich im Wachsen und Gedeihen durch den Umstand stören lassen, dafs sich eine in jeder Hinsicht einwurfsfreie Definition für sie bisher nicht hat finden wollen. Ich ziehe daraus keineswegs die Konsequenz, dafs die auf Gewinnung solcher Definitionen gerichteten Bemühungen nicht fortgesetzt werden sollten, wohl aber, dafs man zwar das bisher erreichte Unvollkommene nicht unbenutzt lassen darf, daneben es aber ganz wohl auch einmal damit versuchen kann, wie weit sich](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28066819_0530.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


