Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong.
- Alexius Meinong
- Date:
- 1913
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Credit: Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong. Source: Wellcome Collection.
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![Leider ist aber gerade bei der Metaphysik eine Verständigung ohne alle Berufung auf definitorische Bestimmungen nicht zu er- zielen. In diesem Sinne darf ich hier wenigstens den mir während der Niederschrift der gegenwärtigen Untersuchungen zukommenden Vorschlag A. Höflers nicht ganz unerwähnt lassen, der unter Zugrundelegung einer geistvollen Konzeption J. Breuers1 dafür eintritt, Metaphysik als die Wissenschaft vom „Metaphänomenalen“ zu charakterisieren2. Der Grund, um deswillen ich diesem Vor- schläge beizupflichten aufserstande bin, ist im wesentlichen der nämliche, um deswillen ich mich seit Jahren nicht mehr entschliefsen kann, die „Phänomene“ des Lichtes, des Schalles usw. [36] für das zu halten, mit dem der Physiker, oder auch die „psychischen Phänomene“ für das, womit es der Psycholog zu tun hat [45]. Phänomene als solche sind eine, immerhin eine sehr wichtige Art pseudo-existierender Gegenstände [46], Was im Falle einer Pseudo- existenz wirklich existiert, sind jederzeit nur inhaltlich bestimmte Vorstellungen: Vorstellungen aber sind, um hier der Einfachheit wegen nur von der Physik zu reden, wie ja gerade Höfler selbst durch besonders handgreifliche Argumente dargetan hat,3 niemals Untersuchungsobjekte der letzteren. Nun ist freilich das Phänomen nicht das Phänomenale, die Erscheinung nicht das Erscheinende, sofern unter letzterem etwas gemeint ist, das aus der Erscheinung erkannt werden, dessen Existenz also etwa aus der Tatsache der Erscheinung erschlossen werden kann [47]. Dafs ein solches Er- scheinendes das ist, dem sich z. B. das physikalische Interesse zuwendet, das möchte auch ich ganz und gar nicht bestreiten. Dann kann ich aber auch nicht absehen, wie es möglich sein sollte, dergleichen „Phänomenales“ aus dem Bereiche metaphysischer Problemstellungen, etwa deren nach Anfang und Ende dieses Er- scheinenden, auszuschliefsen. Da ich mir eine so ausgiebige Abschweifung vom Hauptthema dieser Studie, wie die Wichtigkeit des von Breuer und Höfler angeregten Gedankens zu einigermafsen angemessener Würdigung erforderte, nicht gestatten kann, so mögen für jetzt diese wenigen Andeutungen genügen, zu motivieren, warum es mir nach wie vor4 1 Mitgeteilt in Beilage I zu Höflers wiederholt angeführter Schrift „Zur gegenwärtigen Naturphilosophie“. 2 A. a. O. S. 154 (94) ff. 3 Vgl. „Zur gegenwärtigen Naturphilosophie“, besonders S. 131 (71) ff. 4 „Über philosophische Wissenschaft usw.“ S. 7.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28066819_0532.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


