Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong.
- Alexius Meinong
- Date:
- 1913
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Credit: Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong. Source: Wellcome Collection.
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![rische, die alles Gegebene betrifft, und eine aposteriorische, die vom Gegebenen so viel ha Untersuchuiag zieht, als für empirisches Er- kennen eben in Betracht kommen kann, die gesamte Wirklichkeit [41] nämlich: diese letztere Wissenschaft ist die Metaphysik, jene erstere die Gegenstandstheorie [50], Was an dieser Bestimmung wohl in erster Linie auffallen wird, ist dies, dafs darin die Metaphysik als empirische Wissen- schaft auftritt, indes doch der Mangel an ausreichender Empirie gerade dasjenige ist, was von den Vertretern der Einzelwissen- schaften alter wie neuer Metaphysik stets in erster Linie zum Vorwurfe gemacht worden ist. Ich möchte niemanden, der einen solchen Vorwurf verdient, gegen ihn in Schutz nehmen, und hoffe es durch Obiges auch so wenig getan zu haben, dafs ich eben bereits in der Definition der Metaphysik den berechtigten An- sprüchen der Empirie auf sie Rechnung zu tragen bemüht war. Was Wirklichkeitswissenschaft ist, gleichviel ob speziellere oder allgemeinere, dem steht in letzter Linie eine andere Erkenntnis- quelle als die Erfahrung nicht zu Gebote. In letzter Linie: d. h. nicht alles rnufs direkt erfahren, es kann aus Erfahrenem auf Unerfahrenes, allenfalls auch auf Unerfahrbares geschlossen werden. Aber was die Empirie zur unentbehrlichen Grundlage hat, bleibt selbst jederzeit empirisch und vom erkenntnistheoretischen Gesamt- charakter des Apriorischen toto coelo verschieden [51]. In diesem Sinne gibt es eben kein anderes Wissen von Existierendem als Erfahrungswissen: stehen der Metaphysik die Erfahrungen nicht zu Gebote, die zu Aufstellungen von der für sie charakteristischen Allgemeinheit erforderlich wären, dann — gibt es eben keine Metaphysik, mindestens keine wissenschaftliche, und von der allein ist hier immer die Rede. Und darauf ist ja bereits ausdrücklich hingewiesen worden, dafs es für die gegenwäi’tigen Aufstellungen ganz aufser Betracht bleiben kann, in welchem Mafse sich das Streben nach wissenschaftlicher Metaphysik bisher hat in die Tat umsetzen lassen. So ist es nur ein scheinbares, durch kurze Über- legung zu beseitigendes Paradoxon, wenn ich behaupten mufs: so viel oder wenig von metaphysischem Wissen uns zugänglich sein mag, dieses Wissen kann zuletzt kein anderes als empirisches Wissen sein. Hält man dem aber die Tatsache entgegen, dafs man mit dem Worte „Metaphysik“ so oft auch wissenschaftliche Besti’ebungen, vielleicht auch Leistungen benannt hat, bei denen man sich un-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28066819_0537.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


