Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong.
- Alexius Meinong
- Date:
- 1913
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Credit: Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie / von Alexius Meinong. Source: Wellcome Collection.
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![nicht den Stoff einer Wissenschaft für sich ausmachten. Anderer- seits ist indes freilich auch richtig, clafs Komplexionen und Rela- tionen, soweit sie ideal sind, — noch lieber würde ich heute sagen: Idealkomplexe und Idealrelate,1 — weil überhaupt nicht real, so auch weder physisch noch psychisch sind. Um sie aber in den Bereich philosophisch zu nennender Untersuchungen einbeziehen, mit anderen Worten, um die Gegenstandstheorie als philosophische Disziplin betrachten zu dürfen, dazu bedarf es bei der einen Uni- versalwissenschaft so wenig eines neuen Beisatzes zur Charakteristik des,,Philosophischen“ alsbei der anderen. Durfte ich die Metaphysik den philosophischen Wissenschaften beizählen, weil sie ihre Auf- gaben weit genug fafst, um neben dem Physischen auch das Psychische in diese einzubeziehen, dann kann auch nichts im Wege stehen, aus demselben Grunde die Gegenstandstheorie als philosophische Wissenschaft zu behandeln. Zum Gegebenen, mit dessen Gesamtheit sie es zu tun hat, gehört eben auch das Psychische, unbeschadet der Tatsache, dafs auch physische und ideale Gegen- stände darin zur Bearbeitung kommen müssen, — davon gar nicht zu reden, dafs beim Idealen, das von Natur stets Superius ist, als unerläfsliche Inferiora [55] gar wohl noch einmal psychische Gegenstände in Frage kommen können. Natürlich stehe ich aber nicht an, dem eben neuerlich be- währten Parallelismus zwischen Gegenstandstheorie und Meta- physik auch noch in einer anderen, im Grunde mehr praktisch als theoretisch wichtigen Sache stattzugeben. Aus dem Umstande, dafs die Metaphysik es zwar auch mit Psychischem, aber nicht nur mit Psychischem, sondern auch mit Physischem zu tun hat, habe ich seinerzeit die Konsequenz gezogen, dafs zur Bearbeitung metaphysischer Probleme nicht nur der Vertreter der Wissen- schaften des Psychischen, sondern nicht minder der Vertreter einer Wissenschaft des Physischen berechtigt und berufen sei [56], Mir scheint nun in der Tat, dafs man nicht umhin können wird, ganz das Nämliche auch in betreff der Gegenstandstheorie einzuräumen. [45] Zwar dürfte hinsichtlich der Forschungstechnik sowohl in der Metaphysik wie in der Gegenstandstheorie derjenige einen gewissen Vorsprung haben, der auf die wissenschaftliche Bearbei- tung psychischer Erlebnisse eingeübt ist: speziell in betreff der i Über die Gründe für diese Veränderung in der bisher von mir verwendeten Terminologie vgl. diese Untersuchungen Nr. TIT, Kap. I, § 9, U.[54]](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28066819_0540.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


