Grundriss der Psychiatrie für Studierende und Ärzte / von Dr. Theodor Kirchhoff.
- Theodor Kirchhoff
- Date:
- 1899
Licence: Public Domain Mark
Credit: Grundriss der Psychiatrie für Studierende und Ärzte / von Dr. Theodor Kirchhoff. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![Tliätigkeitcu ^'ol•g•^inge von so verwickelter Art, dass wir nicht daran denken dürfen sie au einfaclie Elemente zu binden. Eine Empfindung, einen Anstoss zu einer Bewegung mögen wir uns au eine einzelne (ianglion- zelle gebunden denken, aber bei verwickelten geistigen Vorgängen können wir dies nicht. Diese setzen sich aus zahlreichen Vorstellungen in verschiedeneu Sinnesgebicten zusammen; geht ein Theil verloren, so ist es gar nicht einmal nöthig daran zu erinnern, dass andere Ilirntheile stellvertretend eintreten können, sondern es sind noch so viele Vorstel- lungen aus anderen Sinnesgebieten vorhanden, die mit in den Inhalt jener verwickelten Vorstellung im Bcwusstsein eingegangen sind, dass es nicht gestattet ist, Aon dem Verlust eines Einzcliuhalts des Bewusst- seins zu sprechen. Alle inneren Vorgänge machen das Bewusstsein aus, es gibt keine einzelnen Bewusstseinsarten. Will man festhalten an einem Parallelismus und Aequivalent von geistigen Thätigkeiten und von Vorgängen in bestimmten anatomischen Cirundlagen, so ist mindestens zu bedenken, dass ein solcher nicht nur in der Hirnrinde vor sich geht, sondern überall im ISTervensystem. Die Vorgänge des Bewusstseins sind an das ganze Nervensystem gebunden, nicht an die Hirnrinde allein. Vielleicht dürfen wir die Schwierigkeit für den Nachweis und das Ver- ständnis eines solchen Parallelismus uns durch die Annahme erleichtern, dass der Umsatz psychischer Energie in physische deshalb nicht ein genaues Aequivalent für uns zeigt, weil psychische Eunctionen zum Theil physische Energie verbrauchen, aber theilweise vielleicht auch erzeugen. In diesem Sinne entscheidet für die Selbständigkeit eines Krankheits- bildes nicht nur die Verschiedenheit des Eutstehungsortes, sondern auch die Verschiedenheit der physiologischen Entstehungsbedingungen. Alles in Allem genommen sind die Bestrebungen nach Localisation geistiger Störungen bisher doch nur von allgemeinem TN'erthe geworden ; zur Eeststellung einzelner Herdsymptome geistiger Störungen haben sie Nichts genützt. Es sind höchstens bestimmte Symptomen g r u p p e n ana- tomisch festzustellen, nicht volle klinische Krankheitsbilder, wie wir bei ihrer Schilderung sehen werden. Die einseitig anatomische Richtung der Eorschung übersieht noch immer die Bedeutung verwickelter psychischer Vorgänge. So vermag auch die Thatsache, dass das Gedächtnis gelegentlich nur theilweise verloren geht, uns nichts zu sagen über einen bestimmten Ort der betreftenden Verluste; dabei ist es auch noch nicht einmal ganz zweifellos, ob wirklich z. B. ganz vereinzelt nur das Gedächtnis für eine bestimmte Sprache, für die ]\rusik A'erloren gehen kann. Sicherer ist schon die Beobachtung, dass das Gedächtnis für Eigennamen leichter schwindet als das für Substantiva und Adjectiva.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21216654_0024.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)