Grundriss der Psychiatrie für Studierende und Ärzte / von Dr. Theodor Kirchhoff.
- Theodor Kirchhoff
- Date:
- 1899
Licence: Public Domain Mark
Credit: Grundriss der Psychiatrie für Studierende und Ärzte / von Dr. Theodor Kirchhoff. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![des Uterushalses, Xeubildungcu u. s. \v. Kiue erotische oder hysterische FUrbuug des Krankhcitshildes ist oft nicht vorhanden. Zuweilen verstärkt die in Folge von CJeuitalleiden entstehende T'nfnichtbarkeit auf psy- chischem Wege die genannten Kinllüsse, oder dieser Kummer ist der unmittelbare, alleinige Grund der folgenden geistigen Störung. Die Störungen der Menstruation sind als Ursache und AVirkung zu betrachten: sie begleiten geistige Erkrankungen oft, ihr A'erlauf ist sehr oft dadurch beeinflusst; man kann häutig beobachten, dass Ausbleiben der Menses mit Steigerung der Erregung zusammenfällt: bei manchen geisteskranken Frauen ti'eten zur Zeit der Menstruation die Krankheitserscheinungen heftiger auf. Geschlechtliche Ausschweifungen können zweifellos Psychosen erzeugen, oft sind sie aber auch schon ein Zeichen der geistigen Krankheit. Sicher hat die erschöpfende nervöse Wirkung den Ilauptantheil der Schädlichkeit, nicht der Säfteverlust. Deshalb ist widernatürliche Be- friedigung des Geschlechtstriebes am gefährlichsten. Bei der Mastur- bation, die häufiger beim weiblichen Geschlecht vorkommt, als man denkt, ^ist ein fruchtloser innerer Kampf zwischen! dem übermächtigen Trieb und dem schwankenden Charakter die Folge des Lasters. Im Verein mit den erschöpfenden Wirkungen ist dann der Seelenkampf die Ursache. Bei jugendlichen und gealterten Personen zeigt sich diese Entstehungsart am häufigsten. Ein im Uebermaß getriebener geschlechtlicher Verkehr auf normalem Wege wirkt bei vollkräftigen Menschen selten verderblich: Frauen vertragen ihn in der Kegel besser als Männer. In einzelnen Fällen mögen periphere Keize den Trieb zum ]\Iasturbiren hervorrufen, wie z. B. Oxyuren, Hautausschläge in der Nähe der Ci eschlechtstheile, in den meisten Fällen ist der Trieb central bedingt. Bei den Kranken finden sich auf derselben centralen Grundlage auffallend oft Geruchs- täuschungen widriger Natur, Gestank von Koth und Leichen; ebenfalls verbindet sich mit diesen Erscheinungen nicht selten ein Hang zu religiöser Schwärmerei. Wenn Enthaltsamkeit vom Geschlechtsgenuss überhaupt eine grössere Bedeutung hat, so liegt sie mehr in psychischen als körperlichen Momenten, bei Frauen in der Nichterfüllung des idealen Berufs als Gattin und Mutter. Die Beziehung zwischen Schwangerschaft und Irresein scheint in gewissem Grade durch Kreislaufsstörungen vermittelt zu sein, die eine naturgemässe Folge des Wachsens des Uterus und der Einschaltung des Placentarkreislaufes sein müssen. Zu diesen mechanischen Blutdrucks- störungen gesellen sich chemische Veränderungen in der Zusammensetzung des Blutes; die geistige Störung pflegt sich erst in den letzten drei](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21216654_0040.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)