Die Cholera in Orel im Jahre 1847. Ein Beitrag zur Kenntniss dieser Krankheit / [Hugo Leonard von Gutzeit].
- Gutzeit, Hugo Leonard von, 1811-1882.
- Date:
- 1848
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die Cholera in Orel im Jahre 1847. Ein Beitrag zur Kenntniss dieser Krankheit / [Hugo Leonard von Gutzeit]. Source: Wellcome Collection.
33/152 (page 23)
![Als Nachkrankheit sah ich hier in Orel nur ein leichtes Oedem auftreten, welches aber stets von selbst wich. Bei denjenigen Kran- ken, welche an länger dauernder Nausea cholerica oder grosser Cholera- angst litten, habe ich nach geschwundener Epidemie noch Neigung zu Verstopfung oder zu Durchfall; Magendruck ; leichte Uebelkeit; leichte Schmerzen, bald im Magen, bald in der Milzgegend, Kollern an dieser Stelle wahrgenommen. — Gegen das Ende der Epidemie kamen Fälle vor, bei denen das Er- brechen sehr selten war oder ganz fehlte. Die Kranken vertrugen sogar warme, aromatische Getränke, ohne auch nur im geringsten dadurch Brechreiz zu bekommen und hatten viel weniger Durst, als die brechen- den Cholerakranken. Begonnen hatte auch bei ihnen die Krankheit mit Durchfall, der allein fortdauerte. Brennen in der Magengegend kam dabei ‘gar nicht, oder nur in geringem Grade vor. Die Tödtlichkeit dieser Fälle war aber enorm, und Keiner, glaube ich, genas. | Zu Anfang der Epidemie kam ein Fall vor, den man mit allem Recht Cholera sicca nennen kann. Ein kräftiger, stets gesunder Mann von 40 Jahren hatte im Verlauf des Tages 3 oder 4 durchfällige Stuhl- ausleerungen gehabt, ohne sich jedoch weiter unpass zu fühlen. Abends beim Ausziehen der Stiefeln fühlt er einen heftigen Wadenkrampf, er- schrickt darüber sehr , fühlt sogleich grosse Abgeschlagenheit , Brustbe- klemmung, hat Todesahnung. Schnell beginnt er zu erkalten, der Puls stockt, Brennen in der Magengrube, Stiche in den Hypochondrien, Athemnoth treten ein. Ein verorduetes Brechmittel wirkt einmal nach unten, aber nicht nach oben. Ohne alle weitere Ausleerungen war am andern Morgen um 9 Uhr der Mann eine Leiche. Auf dem Lande und in der Kreisstadt Sewsk will man einzelne Fälle jener Choleraform beobachtet haben, die man Cholera apoplectica oder Cholera fulminans genannt hat. Kräftige Leute fühlten sich unwohl, worauf plötzlich ein schlagflussähnlicher Zustand und schnell Tod ein- Bluteirkulation. [In diesem Krankheitsbilde ist Aehnlichkeit mit dem Zustand, welchen ich eben beschrieben. Auf die Verschiedenheit des Pulses habe ich, leider! nicht Acht gegeben, da ich damals Seidlitzens Beobachtungen noch nicht kannte.] Wenn solche Gerinnsel in den Hautvenen stattfanden, so folgten ihnen ödematöse Geschwülste und Ab- scesse; in den Lungen brachten sie Schwindsucht hervor ; im Pfortadersystem weilend, folgten ihnen hartnäckige Durchfälle, oft schwarz gefärbte Stühle, Hämorrhoidalfluss, Torpor der Eingeweide u. s. w. \](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b33290106_0033.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)