Die Cholera in Orel im Jahre 1847. Ein Beitrag zur Kenntniss dieser Krankheit / [Hugo Leonard von Gutzeit].
- Gutzeit, Hugo Leonard von, 1811-1882.
- Date:
- 1848
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Credit: Die Cholera in Orel im Jahre 1847. Ein Beitrag zur Kenntniss dieser Krankheit / [Hugo Leonard von Gutzeit]. Source: Wellcome Collection.
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![vollkommener Gewissheit annehmen und es wären also Cholera nostras und Cholera asiatica nur in ihrer Intensität als verschieden anzusehen. Zusammen mit der sogenannten sporadischen Brechruhr, vor dem Beginn der eigentlichen Epidemie, zeigten sich zu ungewöhnlicher Zeit Wechselfieber mit dem eintägigen,, dreitägigen und selbst viertägigen Typus. Mehre von ihnen gingen im Hospital bei Eintritt der Cholera in diese über und zwar in der Art, dass die Intermissionen erst undeut- lich wurden, worauf sich Durchfall hinzugesellte, dem früher oder spä- ter Erbrechen, Krämpfe und so das Bild ausgebildeter Brechruhr folgte. Ein solches Verhältniss der Cholera zu den Wechselfiebern hat man schon 1830 und 31 an mehren Orten, so namentlich in Moskau und Wien, wahrgenommen. Sollte die Intermittens aus einem Urleiden des Rük- kenmarks entstehen, so wird man dies Vorhergehen der kalten Fieber begreiflich finden, wenn man sich erinnert, dass auch die Cholera höchst wahrscheinlich in einer Affektion dieses Theils ihren Grund hat. Beide Krankheiten bestehen vielleicht nur in einem verschieden modifi- zirten Leiden des Gerebro - Spinalsystems. Man denke an die Inter- mittentes cholericae. | Diarrhöen kamen, obgleich nicht sehr häufig, auch vor Beginn der Cholera vor. Dagegen fehlte Ruhr ganz, welche sonst zu dieser Zeit zu epidemisiren pflegt. Zur Zeit der herrschenden Cholera kamen andere Krankheitsformen nur ganz vereinzelt vor. Die Wechselfieber hörten auf. Muskelrheu- men, ein paar Anginen und ein paar Fälle von Diarrhoea dysenteroides waren die einzigen akuten Uebel, welche ich und andere Aerzte beobach- teten. Die Angina und die Dysenteria waren salpetriger Natur und wur- den durch das Natron nitricum rasch geheilt. Dass aber auch andere Uebel während einer heftigen Gholeraepidemie auftreten oder fortbeste- hen können, beweist Saratow. Hier waren die typhösen Fieber [Cere- bralfieber?] dem Einfluss der Cholera nicht unterworfen, sondern be- standen neben ihr fort. In der letzten ‚Zeit der Epidemie erschienen Anginen, Nasen- und Lungenkatarrh, hier und da eine Pleuresie, und dauerten choleraartige peterkrankheiten erwiesen, noch längere Zeit fort,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b33290106_0065.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)