Briefe en Johann Bapt. Bassand in Wien / ausgewählt und eingeleitet von Ernst Darmstaedter.
- Herman Boerhaave
- Date:
- 1927
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Credit: Briefe en Johann Bapt. Bassand in Wien / ausgewählt und eingeleitet von Ernst Darmstaedter. Source: Wellcome Collection.
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![verurteilte, sondern manchen ihrer Ideen mit Sympathie gegen¬ überstand, ist längst bekannt. Mitleidiges Lächeln über solche Ansichten des großen Mannes war und ist unnötig und unan- J gebracht! : Boerhaave hat also ein starkes Gefühl für die natürliche „medi- j candi virtus“, die in den Naturstoffen steckt und durch zu starke : Eingriffe, vor allem durch Feuer, vernichtet wird, ein in gewis- | sem Sinne mystisches Gefühl für die Einheit der Natur und ihr ] Wirken in allen ihren Erzeugnissen, ein Wirken, das der Mensch : mit seinen groben Methoden unter Umständen beeinträchtigt1. \ Auf dieses, der Art und dem Ursprung nach, antike Naturgefühl j geht auch Boerhaaves Auffassung vom Arzt als Diener der Natur 2 zurück, die er in einer Rede am Ende seines zweiten Rektorates 1731 verkündete. Wir sprachen von dem eifrigen Austausch von Gedanken und ] Gaben zwischen Boerhaave und Bassand und gedenken auch i eines besonders schönen Geschenkes, das Boerhaave seinem i Freunde am 12. Februar 1726 ankündigt: Ein Kaufmann, der eben einen Ballen Ware nach Wien schickt, wird ein Exemplar „Vesalii nostri, compactum in duobus Voluminibus ligatura gal- lica, Charta regia“ mitsenden, und zwar als Geschenk Boerhaa¬ ves — id Tibi offero. Ein anderes, ungebundenes Exemplar ist für den Leibarzt Garelli bestimmt. Es handelt sich hier um die von Boerhaave veranstaltete Vesalausgabe, Leiden 1725, mit Kupfern von Jean Wandelaar. Auch des eben erwähnten Garelli soll hier gedacht werden, eines Mannes, der in keiner neueren Medizingeschichte erwähnt wird, obwohl er eine Persönlichkeit von Wert und Wichtigkeit war und ein Mann, der in einem großen und bedeutenden Kreise wirkte. Wir entnehmen einige Nachrichten über diesen, damals hochan¬ gesehenen Arzt und wertvollen Menschen, dem 1780 in Wien, bei Augustin Bernardi erschienenen Werke von M. Denis — „Die Merkwürdigkeiten der k. k. garellischen Bibliothek am There- 1 Manche Auffassungen Boerhaaves wird man übrigens vielleicht besser ver¬ stehen, wenn man sein religiöses Gefühl kennt, das auch in den Briefen an Bassand, besonders in den letzten, zum Ausdruck kommt.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b3062616x_0015.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)