Briefe en Johann Bapt. Bassand in Wien / ausgewählt und eingeleitet von Ernst Darmstaedter.
- Herman Boerhaave
- Date:
- 1927
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Credit: Briefe en Johann Bapt. Bassand in Wien / ausgewählt und eingeleitet von Ernst Darmstaedter. Source: Wellcome Collection.
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![benen und unreinen Geblüt, noch von einer üblen Bildung, son¬ dern blos von seiner Lebensart herkommen. I Es deucht mich, Sie haben die Fehler des Gehörs, woran die I Prinzeßin leidet, gut eingesehen. Denn ie genauer ich alle Um¬ stände, die Sie mir sorgfältig überschrieben haben erwäge, de¬ sto mehr werde ich in meiner Meynung bestätiget, es fehle ] nichts, als daß die dem Hammer und Steigbiegel zur Bewe- gung dienende Muskel nicht bis auf den Grad ausgedehnt, und wieder zusammen gezogen zu werden vermögen, daß dadurch das Häutlein der Trommel und des länglichtrunden Fensters in keinen gleichlautenden Wohlklang zusammen stimmen könne, mit denen sonst einen scharftönenden Laut hervorbringenden Saiten; oder auch mit einer Stimme, die ähnliche zitternde Be¬ wegungen in einer wiederhallenden Luft erreget. Oder es ist vielleicht in den allerkürzesten Zasern, so über die knöcherne Zwischenwand des schneckenförmigen Canals nach den obem : Flächen zu gehen, eine allzu grosse Schlappigkeit, als daß diese Zäserlein mit den sehr feinen Tönen in harmonischen Schwin¬ gen zittern könnten. Unterdessen bin ich doch eher gesonnen, £ die zuerst angeführte Ursache, als die wahre zu erkennen; 9 theils weil dieser Theil öfters krank, theils weil er häufigem i äusserlichen Anfällen ausgesetzt zu seyn pfleget. Wenn die Be- ( obachtungen diese Meynung bestätigen, so wird eine feuchte . Luft noch mehr Hinderniß machen, und schädlich seyn. Und 1 dann scheint es, daß nach so vielen vergeblich versuchten Arz- Ineyen nichts gebraucht werden könne, das mehr Linderung schaffen möge, als wenn sie iederzeit Abends beym Schlaffen¬ gehen, den Gehörgang mit Geishaar ausfüllt, so von dessen Ho¬ den genommen, einige Zeit über den Rauch von angezündeten . Olibanum und Mastix gehalten, und also wohl eingeräuchert Ihineingethan worden. Diß ist, wie ich muthmasse, das einzige sichere und zugleich würksame Mittel wider diß Uebel, wie ich schon oft erfahren habe. Jedoch glaube ich, daß ein so einge¬ wurzeltes und zu heben oft versuchtes Uebel dieses Werkzeu- ches gänzlich unheilbar seye; unterdessen aber wird es nichts schaden, diß Mittel zu versuchen. Jede zur Heilung vorgenom-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b3062616x_0023.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)