Die Vitamine, ihre Bedeutung für die Physiologie und Pathologie : mit besonderer Berücksichtigung der Avitaminosen: (Beriberi, Skorbut, Pellagra, Rachitis) ; Anhang: Die Wachstumsubstanz und das Krebsproblem / von Casimir Funk.
- Casimir Funk
- Date:
- 1914
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Credit: Die Vitamine, ihre Bedeutung für die Physiologie und Pathologie : mit besonderer Berücksichtigung der Avitaminosen: (Beriberi, Skorbut, Pellagra, Rachitis) ; Anhang: Die Wachstumsubstanz und das Krebsproblem / von Casimir Funk. Source: Wellcome Collection.
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![ob die Milch erhitzt wurde), durch Mehlnahrung verschlimmert und durch rohe Milch geheilt winde Janel Laue Claypon L56 kam be Übersicht eines sehr reichhaltigen Materials ein* - lingskonsultation- Ambulatoriums zu dein Ergebnis, dass ein kurzes Kochen der Milch ■ Skorbut noch Rachitis verursacht. In einer späteren Arbeil derselben Verfasserin (157) wird in einem Anhang die Meinung geäussert, dass die Vitaminfrage in Milch einei sorgfältigen Bearbeitung bedarf. Cautley (157a) meint, auf klini- terial gestützt, dass durch Erhitzen der Milch ihre antiskorbutisch« I. schaft geschwächt oder vernichtet wird. Bei der kritischen Betrachtung des vorhandenen Materials möchte folgende Punkte kurz hervorheben. Die oben besprochenen Arbeiten wurden meistens in einer Zeit ausgeführt, als man noch nichts über das Vorhanden- sein von Substanzen in der Nahrung wusste, die gegen Erhitzen -ehr un- stabil sind und offenbar eine sehr grosse physiologische Bedeutung b< sitzen. Insbesondere ist nicht beachtet worden, ob nicht andere Nahrungsstoffe zu der Milchdiät zugesetzt worden sind, wie dies eben sehr ofl verkommt. Bei einer ambulatorischen und Konsultationspraxis ist diese Kontrolle über- haupt nicht ausführbar. Dies schmälert die oben besprochenen Resultate in ihrem Wert sehr erheblich. Auch die Versuchszeit war in den meisten Fällen zu kurz bemessen. Es ist jetzt kaum mehr möglich daran zu zweifeln, dass die Milch Stoffe enthält, die gegen Beriberi und Skorbut schützen. Andererseits «visfi wir, dass diese Substanzen gegen erhöhte Temperaturen sehr ein]'lindlich sind. Damit ist es nicht gesagt, dass z. B. ein Erhitzen auf 100° die Substanzen vollständig zerstört. Das Verhältnis der durch Erhitzen zersetzten Substanz zu der ursprünglich vorhandenen hängt offenbar von vielen Umständen al>. Ausser der Temperatur kommt auch die Dauer des Erhitzens und die Reaktion der Flüssigkeit in Betracht. Zuletzt darf auch nicht vergessen werden, Vitamine in der Milch nicht unbedingt in konstanter Menge vorkommen müssen, sie können auch ganz fehlen, wenn der mütterliche Organismus in der Nahrung nicht genug davon erhält. So wäre es z. B. denkbar, Kühe im Winter nur eine sehr vitaminarme Milch liefern, weil sie nicht genug von frischem Futter erhalten (vgl. Andrews 1. c. 56). Der letztere Umstand hängt offenbar mit dem Gehalt der Nahrung an diesen Stoffen zu- sammen; ist die Nahrung an diesen Substanzen arm. so werden sie in der Milch entweder ganz fehlen oder nur in kleinen Mengen vorkommen. In letzterem Falle wird auch ein massiges Erhitzen die Milch minderwertig machen. Deswegen müssen wir die Frage, ob das Kochen der Milch Skor- but oder Rachitis verursachen kann, jedenfalls so lange offen lassen, bis die Frage mit neuen Methoden und unter Berücksichtigung der obengenannten Punkte erforscht ist. Es muss hier in Erinnerung gebracht werden, dass](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21023852_0103.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


