Die Vitamine, ihre Bedeutung für die Physiologie und Pathologie : mit besonderer Berücksichtigung der Avitaminosen: (Beriberi, Skorbut, Pellagra, Rachitis) ; Anhang: Die Wachstumsubstanz und das Krebsproblem / von Casimir Funk.
- Casimir Funk
- Date:
- 1914
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Credit: Die Vitamine, ihre Bedeutung für die Physiologie und Pathologie : mit besonderer Berücksichtigung der Avitaminosen: (Beriberi, Skorbut, Pellagra, Rachitis) ; Anhang: Die Wachstumsubstanz und das Krebsproblem / von Casimir Funk. Source: Wellcome Collection.
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![Verlauf der Pellagra. Pellagra breitet sich auf dem Lande aus, während die Städte frei von der Krankheit bleiben. In Italien und Ägypten befällt die Krankheit fast aus- schliesslich die ärmere Landbevölkerung, in Nordamerika dagegen erkranken auch wohlhabende Landbewohner, welche aber immer die gewöhnliche länd- liche Lebensweise führen (Roberts). [Lavinder (172).] Die ersten Attaken, sowie Rezidiven kommen in Italien meist im Frühjahr, im März oder April, in Nordamerika vom Februar angefangen, den ganzen Sommer hindurch bis zum Spätherbst. Winterremissionen gehören zum Typus der Krankheit. Pellagra schont kein Alter. Am frühesten erscheint die Krankheit bei Kindern im Alter von 4—5 Monaten, ausnahmsweise noch früher. Pellagra ist nicht hereditär, dagegen zeigen nicht selten Kinder der Pellagrösen Zwergwuchs, geistige Schwäche und andere Degenerationsmerkmale. Pellagra ist nicht kontagiös; niemals wurde eine Infektion im Waisen- haus, unter Gästen einer Sommerfrische, unter Ärzten und Wärtern beobachtet. Der Verlauf der Krankheit ist sehr verschieden; es gibt schwere akute Fälle, die nach einigen Wochen lätal enden, und chronische Formen mit Remissionen und jahrelanger Dauer. Im ganzen können 4 Krankheitstypen angenommen wTerden. Roberts (1. c. 171). 1. Akute maligne Form. Dauer 2 Wochen bis 3 Monate. Kann als erste Attake erscheinen, oder im Verlaufe der Krankheit, oder endlich terminal in chronischen Fällen mit Prostration, Konvulsionen, Fieber und Diarrhoe. Kontinuierliches Fieber 38°-40,5°. Der Puls 120—130 klein, oft arythmisch. Die Zunge tiefrot, fissuriert, schmerzhaft; schmerzhafte Stomatitis und Pharingitis; Übelkeit, Diarrhoe; typische Dermatitis, Hautpetechien; Prostratio. Dazu gesellen sich nicht selten: Tremor, Konvulsionen, Tetanus, Delirium, Inkontinenz. Der akute Pellagraanfall endet meist lätal. 2. Leichte subchronische Form. Vorwiegend bei jungen Individuen, leichte Fälle mit Dermatose und Dyspepsie, mit Ausgang in Heilung. Dauer 1—2 Jahre, kein Fieber. Diese Form ist sehr häufig in Italien und Rumänien, seltener in Amerika. Die Symptome bestehen in leichter Dermatose am Handrücken und Handgelenk, Rötung der Mundschleimhaut, Konstipation oder leichter Diarrhoe. 3. Schwere kachektische subchronische Form. Temperatur anfänglich 37,7°. Puls 100. Sehr ernste Symptome seitens des Digestionstraktus: die Zunge tiefrot, erodiert, Mund- und Pharynxschleiin- haut tiefrot, schmerzhaft, Zahnfleisch geschwollen, blutend; Nausea, Erbrechen, Gastralgie, hartnäckige seröse Diarrhoe, Gewichtssturz. Später zerebrale Symptome, Geistesschwäche, skelettartige Abmagerung.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21023852_0114.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


