Die Vitamine, ihre Bedeutung für die Physiologie und Pathologie : mit besonderer Berücksichtigung der Avitaminosen: (Beriberi, Skorbut, Pellagra, Rachitis) ; Anhang: Die Wachstumsubstanz und das Krebsproblem / von Casimir Funk.
- Casimir Funk
- Date:
- 1914
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Credit: Die Vitamine, ihre Bedeutung für die Physiologie und Pathologie : mit besonderer Berücksichtigung der Avitaminosen: (Beriberi, Skorbut, Pellagra, Rachitis) ; Anhang: Die Wachstumsubstanz und das Krebsproblem / von Casimir Funk. Source: Wellcome Collection.
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![Experimentelle und spontane Rachitis bei Tieren, Kalkstoffwechsel bei Rachitis. Osteomalazie, Spasmophilie. Eine sichere experimentelle Rachitis konnte bisher nicht erzeugt werden, und alle z. B. durch kalkarme Nahrung erzeugte Knochenläsionen können im allgemeinen als pseudorachitische Osteoporose, aber nicht als Rachitis aufgefasst werden. Auch spontane Rachitis der Tiere ist noch zu wenig be- kannt und stimmt nicht immer genau mit der menschlichen Rachitis überein. So kommt es z. B. bei Herbivoren zum epidemischen Auftreten der Rachitis und Osteomalazie, angeblich infolge eines kalkarmen Futters bei lang an- haltender Dürre. Aber auch diese, wie so manche andere Rachitis der Tiere, wird durch Kalktherapie sehr günstig beeinflusst, was bei der menschlichen Rachitis bekannterweise nicht beobachtet wird. (Schmorl [237].) Es ist wohl jetzt von der Mehrzahl der Kliniker angenommen, dass die Rachitis eine Stoffwechselkrankheit ist, die besonders in Grossstädten vor- kommt und nach v. Hansemann (238) eine Folge der Domestikation ist. Allerdings wird mehr und mehr von Fällen berichtet, die im hohen Norden und in den Tropen zur Beobachtung kamen. Es mangelt aber nicht an Stimmen, die sich der Meinung v. Hansemanns anschliessen und als Ursache der Krankheit schlechte sanitäre Bedingungen und die verdorbene Luft der Grossstädte ansehen. So führt z. B. Peiper (239) das Nichtvorkommen der Rachitis in Deutsch-Ost-Afrika auf diese Momente zurück, er lässt aber voll- ständig ausser acht, dass die Eingeborenen in Afrika die künstliche Er- nährung der Kinder wohl gar nicht kennen. Die statistischen Angaben über die Verbreitung der Krankheit (z. B. die Angabe, dass 90 % der Grossstadt- kinder an Rachitis erkranken soll) differieren stark untereinander und leiden sehr an dem Übel, dass die Kliniker den Begriff der Rachitis noch nicht be- grenzt haben. Das wesentliche Merkmal der Rachitis ist das Verharren des Knorpel- und Knochengewebes im unverkalkten Zustand. Das rachitische Knochen- gewebe wird hauptsächlich durch seinen abnorm geringen Gehalt an Erdalkali gekennzeichnet. Bei Rachitis ist die Ablagerung der Kalksalze in denjenigen Skeletteilen gehindert, die während des normalen Wachstums solche auf- nehmen, und zwar im gesamten Skelett (Schmorl [1. c. 237]). Eine intensiv gesteigerte Resorption des bereits verkalkten Knochens gehört nicht zum Bilde der Rachitis, charakterisiert dagegen die experimentelle Pseudorachitis. Wir halten trotzdem die experimentelle Erforschung der Rachitis bei jungen Tieren für den besten Weg zur Kenntnis der menschlichen Rachitis. Nicht eine kalkarme, sondern eine vitaminarme Nahrung müsste voraussicht- lich dazu gewählt werden, in erster Linie die arteigene, aber sterilisierte Milch mit Kontrolltieren an arteigener roher Milch. Wir vermuten, dass sich die Rachitis bei Tieren in manchen Zügen von der menschlichen unterscheidet,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21023852_0142.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


