Die Vitamine, ihre Bedeutung für die Physiologie und Pathologie : mit besonderer Berücksichtigung der Avitaminosen: (Beriberi, Skorbut, Pellagra, Rachitis) ; Anhang: Die Wachstumsubstanz und das Krebsproblem / von Casimir Funk.
- Casimir Funk
- Date:
- 1914
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Credit: Die Vitamine, ihre Bedeutung für die Physiologie und Pathologie : mit besonderer Berücksichtigung der Avitaminosen: (Beriberi, Skorbut, Pellagra, Rachitis) ; Anhang: Die Wachstumsubstanz und das Krebsproblem / von Casimir Funk. Source: Wellcome Collection.
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![Dasa infolge der Gravidität (besonders bei Vielgebärenden) und I tation der Bedarf an Vitaminen bedeutend steigt, isl klar genug We Mutter tiiuss ihren Vorral an Vitaminen dem Kinde abgeben, and dadurch wird die Krankheit, vielfach bis zu dieser Zeit latent, plötzlich in schwerer Form ausgelöst, wie es ähnlich bei der Beriberi und anderen Avitaminosen vorzu- kommen pflegt. Ein ähnlicher Entstehungsmodus scheint auch für die Gravidii - und Laktation stetanie zu gelten; hier wird eine latente Tetanie durch den wachsenden Anspruch an eine darniederliegende endokrine Punktion ausgelöst, was auch experimentell bestätigt wurde. Es scheint bei der Osteomalazie, wie bei Rachitis, der Entsteh . modus ebenfalls über endokrine Organe zu führen und in erster Linie über die Epithelkörperchen und die Thymus. Die in letzter Zeit publizierten Er- folge der Hypophysentherapie sind ebenfalls hier zu erwähnen. Ich ver- mute auch, dass der bekannte Antagonismus zwischen den Keimdrüsen und der Thymus bei der Entstehung der Osteomalazie mitspielen könnte. Trotz dieser komplizierten Vorgänge soll die Therapie der Osteomalazie in erster Linie den Vitaminhunger zu decken suchen. Hier ist eine leichte, abwechslungsreiche gemischte Kost indiziert, und zwar im Anfang rohe Milch, rohes Obst, Gemüsesuppen, Fruchtsaft, frischer Fleischsaft. Lebertran und Vitaminextrakte. Erst wenn dieser Weg nicht rasch genug zum Ziele führt, mag die Opotherapie (Thymus, Hypophyse) einsetzen. Was nun die Kastration bei der Osteomalaziebehandiung betrifft, so möge diese für Fälle reserviert werden, die jeder Therapie trotzen und das Leben direkt bedrohen. Die Erfolge der Kastration sind keineswegs sicher, es gibt hier auch negative Resultate, und die Beobachtungszeit war in den meisten Fällen zu kurz (vgl. Wmekel [252]). Dies muss um so mehr hervorgehoben werden, als zahlreiche Heiluugen nach Darreichung von Leber- tran, nach erfolgter Geburt, bei der Menopause etc. in der Literatur vorliegen. Da die Kastration bekannterweise eine Hypertrophie der Thymus und der Hypophyse zur Folge hat, wäre es vielleicht möglich durch Thymus- und Hypophysedarreichung eine der Kastration ähnliche Wirkung hervorzurufen. Im Zusammenhang mit der Rachitisfrage muss auch die S p a s m o - p h i 1 i e (Eklampsie, Laryngospasmus , Tetanie der Kinder) berücksichtigt werden; eine gemeinschaftliche pathogenetische Grundlage beider Krank- heiten ist sehr wahrscheinlich. Die Therapie der Rachitis und der Spasmo- philie ist genau dieselbe: hier wie dort hat sich gute Frauenmilch und in zweiter Linie Phosphorlebertran am besten bewährt (vergl. Tiemich [253]). Dagegen hat sich eine Hungerkur, sowie eine milchfreie Diät d. i. Mehle, mitunter als nicht harmlos erwiesen (Zybell [254]), was mit unseren Ver- mutungen im Einklang steht, Magendarmstörungen, Obstipation, t herer- nährung mit Kuhmilch bilden oft das auslösende Moment, sind jedoch nicht 9*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21023852_0145.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


