Die Vitamine, ihre Bedeutung für die Physiologie und Pathologie : mit besonderer Berücksichtigung der Avitaminosen: (Beriberi, Skorbut, Pellagra, Rachitis) ; Anhang: Die Wachstumsubstanz und das Krebsproblem / von Casimir Funk.
- Casimir Funk
- Date:
- 1914
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Credit: Die Vitamine, ihre Bedeutung für die Physiologie und Pathologie : mit besonderer Berücksichtigung der Avitaminosen: (Beriberi, Skorbut, Pellagra, Rachitis) ; Anhang: Die Wachstumsubstanz und das Krebsproblem / von Casimir Funk. Source: Wellcome Collection.
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![Wirbelsäure, Tetanie mit gesteigerter elektrischer Erregbarkeit und Carpo- pedalspasmen, die wochenlang anhalten. Die Prognose ist schlecht, die Kinder gehen an Neuritis [Grüneberg (299)] zugrunde. In der englischen pediatrischen Literatur ist der Begriff Mehlnährschaden total unbekannt, diese Störung wird allgemein unter Atrophie zusammen- gefasst [Cautley (300)]. Dieser Autor beschreibt die Symptome folgender- massen. Die Krankheit nimmt ihren Ursprung infolge einer unzweck- mässigen Diät, vorwiegend Mehlnahrung. Es tritt grosser Gewichtsverlust ein, Diarrhöe, Erbrechen auf. Oft werden diese Symptome von Stomatitis aphtosa, Enteritis, Bronchitis und Furunculosis begleitet. In schweren Fällen findet er Ödeme an der Haut der Extremitäten und später des Gesichts, Petechien, Opisthotonus. Bei der Sektion wurden Ödeme der Hirnhäute, pleurale Ekchymosen, im Magen und Darm Erosionen und subepitheliale Blutungen gefunden. In chronischen Fällen wurde fettige Degeneration der Leber und des Nierenepitheliums festgestellt. Die Erklärung dieser Störungen fällt uns nach dem in früheren Kapiteln Gesagten nicht schwer. Es muss dieselbe als eine akute Avitaminose be- trachtet werden. Wir werden später sehen, dass einzelne in der Literatur angeführten Fälle zweifellos als infantile Beriberi betrachtet werden müssen. Zurzeit sind aber die Pediater anderer Meinung. Sie glauben, dass es sich um eine schlechtere Resorption, im Vergleich mit normalen Kindern, handelt. Infolgedessen wurden von Philipps (301) Fütterungsversuche mit dextrini- sierten Mehlen angestellt. Es ergab sich auch hier keine bessere Ausnutzung und es trat Mehlnährschaden auf. Später konnte Salge (302) zeigen, dass diese Kinder eine normale Resorption (95 %>) der Frauenmilch zeigen. Daraus konnte geschlossen werden, dass die schlechte Ausnutzung nicht die Ursache des Übels sein kann. Daraufhin wurde die Ursache des Mehlnährschadens in der Salzverarmung [Salge (303)] oder in Mangel von Fett und Salzen [Keller (304)] gesehen. Wir wissen, dass die Verfütterung von Mehlen an Tauben typische experimentelle Beriberi erzeugt. Die Mehlpräparate sind entweder vitaminfrei oder vitaminarm, daher darf die ausschliessliche Er- nährung mit diesen Nahrungsstoffen, wie dies übrigens in den letzten Jahren richtig erkannt worden ist, nur höchstens einige Tage andauern. Was die Therapie anbelangt, so werden wir kaum so vorgehen, wie dies Steinitz und Weigert (305) mit ihrem Fall des Mehlnährschadens getan haben. Es handelte sich hier um einen 4-monatlichen Säugling, der künst- lich ernährt worden war, und zwar die ersten 14 Tage mit 1J2 Milch und 1lz Mehlsuppe, später nur mit Mehlsuppe ohne Milchzusatz, da Milch regel- mässig erbrochen wurde. Das Kind zeigte Durchfall und grossen Gewichts- verlust. Das Gewicht ist von 4950 g auf 3711 g gesunken. Als Therapie wurde Tee, Koch salzkli stiere, Carnpher und Coffein angewandt, mit lätalem Ausgang. Die moderne Therapie besteht dagegen in Frankreich [Pehu (306)]](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21023852_0158.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


