Die Vitamine, ihre Bedeutung für die Physiologie und Pathologie : mit besonderer Berücksichtigung der Avitaminosen: (Beriberi, Skorbut, Pellagra, Rachitis) ; Anhang: Die Wachstumsubstanz und das Krebsproblem / von Casimir Funk.
- Casimir Funk
- Date:
- 1914
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Credit: Die Vitamine, ihre Bedeutung für die Physiologie und Pathologie : mit besonderer Berücksichtigung der Avitaminosen: (Beriberi, Skorbut, Pellagra, Rachitis) ; Anhang: Die Wachstumsubstanz und das Krebsproblem / von Casimir Funk. Source: Wellcome Collection.
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![Funk [47]), doch aus Übersichtlichkeitsrücksichten möchte ich hier mit der Untersuchung der Reiskleie fortfahren, auf die auch die neuen Befunde teilweise erweitert worden sind. Die Untersuchung wurde an 380 kg Reiskleie begonnen (43). Die angewandten Methoden waren genau die gleichen, wie in meiner früheren Arbeit mit Reiskleie. Aus technischen Gründen war es empfehlenswert, die Entfettung der Reiskleie vorwegzunehmen. Anstatt salzsäurehaltigem Alkohol wurde absoluter Alkohol benutzt und der eingedampfte Extrakt wurde zwei Stunden mit 5°/o Schwefelsäure hydrolysiert. Der weitere Gang der Unter- suchung war wie oben geschildert, die einzelnen Fraktionen wurden nicht mehr untersucht, nur die Vitaminfraktion einer erneuten sorgfältigen Unter- suchung unterzogen. Die anderen für die Frage nicht in Betracht kommenden Substanzen werden bei einer späteren Gelegenheit zur Bearbeitung gelangen. Durch fraktionierte Krystallisation der Vitaminfraktion liessen sich zwei Substanzen rein isolieren. Zuerst, wenn die ursprüngliche Lösung eingeengt wird, krystallisieren die beiden Substanzen scheinbar zusammen, besonders wenn die Einengung zu weit getrieben wird. Ich konnte mich bei den im nächsten Abschnitt beschriebenen Hefeversuchen völlig überzeugen, dass diese ursprüngliche Krystallisation die kranken Tauben, wenn intramuskulär in- jiziert, in erstaunlich kurzer Zeit (2—3 Stunden) heilt. Die dazu nötige Dosis ist 4- 5 mg und kann unter Umständen noch bedeutend herabgedrückt werden. Bei Innehaltung der Reisdiät bleibt das Tier für 4 bis 6 Tage vollständig- gesund, ein Experiment, aus welchem in einfacher Weise der Bedarf des Organismus an den Vitaminen berechnet werden kann. Diese Tatsache besitzt eine gewisse Analogie mit den Befunden von Fühner (49) an den Hypophysesubstanzen. Auch hier wurde in erster Linie eine krystallisierte Substanz isoliert, die sich jetzt im Handel befindet und die gesamte Wirkung der Hypophyseextrakte aufweist. Wird dieselbe fraktioniert, so lässt sich dieselbe in nicht weniger als vier rein chemische Substanzen zerlegen, von denen die einzelnen nur eine Teilwirkung des ursprüng- lichen Extraktes besitzen. Um die Wirkung vollständig zu machen, müssen die einzelnen Substanzen gemischt werden. Es wäre daher empfehlenswert, für therapeutische Zwrecke die erste krystallinische Fraktion als solche zu verabreichen. Wird nun die erste Fraktion urnkrystallisiert, so wird zuerst eine in Nadeln kristallisierende Substanz erhalten, die bei 233° (unkorr.) schmilzt und die bei der MikroVerbrennung nach Pregl folgende Zahlen liefert: 4,796 mg Substanz liefert 10,34 mg C02 und 1,685 mg H20; gef. 58,80% C und 3,93 °/o H. 4,212 mg Substanz liefert 9,095 mg C02 und 1,465 mg H20. Gef. 58,89 % C und 3,89 °/o H.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21023852_0048.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


