Die Vitamine, ihre Bedeutung für die Physiologie und Pathologie : mit besonderer Berücksichtigung der Avitaminosen: (Beriberi, Skorbut, Pellagra, Rachitis) ; Anhang: Die Wachstumsubstanz und das Krebsproblem / von Casimir Funk.
- Casimir Funk
- Date:
- 1914
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die Vitamine, ihre Bedeutung für die Physiologie und Pathologie : mit besonderer Berücksichtigung der Avitaminosen: (Beriberi, Skorbut, Pellagra, Rachitis) ; Anhang: Die Wachstumsubstanz und das Krebsproblem / von Casimir Funk. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University.
88/224 page 74
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image![Anatomo-Pathologie des Skorbuts. Schwere Skorbutfälle ausgenommen, ist der Schwund des Fettpolsters und der Muskulatur nicht bedeutend. Das Unterhautgewebe ist, besonders an den Unterextremitäten mit blutig-seröser Flüssigkeit diffus imbibiert, dabei sind zerstreute Blutextravasate, frische und alte zu sehen. Ahnliche Blutungen finden wir in den Schenkel- und Wadenmuskeln, unter dem Periost, besonders an der Tibia, und bei jungen Individuen an der Epiphysengrenze der langen Knochen und der Knorpelgrenze der Rippen. Spärliche Untersuchungen der Knochen bei Erwachsenen zeigten Rarefaktion des Knochengewebes mit Läsionen des Knochenmarks, die mit den Befunden beim infantilen Skorbut übereinstimmen. Ecchymosen finden sich oft an der Pleura, seltener am Peritoneum, in schweren Fällen in den Lungen; beim schweren Skorbut sind blutig-seröse Ergüsse im Perikardium und Pleura gefunden worden, seltener Ascites [Johnson Smith (95)]. Sc her er (96) hat in zahlreichen Fällen ausserdem Herzdilatation, Bindegewebswucherung in der Leber, Blu- tungen in der Dura und Pia konstatiert. Symptome des Skorbuts. Das Prodromalstadium des Skorbuts wird durch eine eigenartige Haut- blässe, Apathie, Traurigkeit, Muskel schwäche und leichte Dyspnoe charakte- risiert. Später wird die Haut gelblich blass, trocken und schuppend und bedeckt sich, besonders an den Unterextremitäten, mit Petechien und grösseren lividen Flecken. Es entstehen an den Schenkeln, in der Kniekehle, den Waden subkutane, diffuse, schmerzhafte Schwellungen; das Zahnfleisch wird dunkelrot, weich und geschwollen, besonders in der Umgebung kariöser Zähne, doch fehlt dieses so charakteristische Symptom des Skorbuts in manchen Fällen. In späterem Verlauf leiden die Kranken sehr infolge von Dyspnoe und Palpitationen; sie werden leicht ohnmächtig, die Herzschwäche nimmt immer zu. Jetzt magert der Kranke ab und die Muskel werden atrophisch, die Unterschenkel und Knöchel werden ödematös, das Gesicht gedunsen, es zeigen sich am kranken Zahnfleisch tiefe Geschwüre. In diesem Stadium kommen auch subperiostale Blutungen, blutig-seröse Ergüsse im Perikardium, Pleura oder in einem der grossen Gelenke zum Vorschein; ferner Lungenecchymosen und-Gangrän; an der Haut entstehen skorbutische Geschwüre mit lividen Granulationen. In diesem Stadium erscheint auch eine hartnäckige Diarrhoe mit blutig-serösen Entleerungen. Der furchtbare, unbehandelte Schiffsskorbut des 18. Jahrhunderts mit 50—70% Sterblichkeit gehört jetzt zur Geschichte. Gegenwärtig wird Skorbut in erster Linie mit frischem Obst und Gemüse und guter Nahrung behandelt und die so behandelten Fälle genesen durchweg, trotz schwerer Symptome. Die Sachlage ist aber ganz different, wenn keine Diätänderung platzgreift;](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21023852_0088.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)