Die Krankheiten der Tuben, der Ligamente, des Beckenperitoneum und des Beckenbindegewebes : einschliesslich der Extrauterin-Schwangerschaft / von Dr. L. Bandl.
- Bandl, Ludwig, 1842-1892.
- Date:
- 1886
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Credit: Die Krankheiten der Tuben, der Ligamente, des Beckenperitoneum und des Beckenbindegewebes : einschliesslich der Extrauterin-Schwangerschaft / von Dr. L. Bandl. Source: Wellcome Collection.
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![Unter ersteren Umständen scheint uns die Entleerung gerecht- fertigt, weil, wenn ein Bluttumor wochenlang besteht, ohne Verände- rungen zu zeigen, es nicht mehr wahrscheinlich ist, dass er zur Re- sorption kommt, sondern es viel eher zu gewärtigen ist, dass früher oder später sein Durchbruch oder unter irgend einem Anstoss eine Veränderung seines Inhaltes in Eiter oder Jauche erfolgt. Durch die Entleerung des Tumors unter solchen Umständen wird die Kranke ge- wöhnlich von den quälenden Schmerzen befreit, und die Gefahr, die den Frauen durch die Veränderungen des blutigen Inhalts in Eiter oder Jauche droht, wird beseitigt. Die Beseitigung dieser Gefahr ist nicht gering anzuschlagen, denn zeigten einmal Fröste oder hohes Fieber die Veränderung des Inhaltes an, so wissen wir gar nicht mehr, ob nach der Entleerung des Tumors die Frau auch genesen wird. Die Resorption des Inhaltes kann schon solche Fortschritte gemacht haben, oder der Inhalt kann eine solche Beschaffenheit angenommen haben, dass wir auch durch die Entleerung desselben die Frau nicht mehr retten können. Der Zeitpunkt für die Entleerung ist soweit wie möglich hinauszuscliieben, damit nicht vielleicht eine neue Blutung in die ent- leerte Höhle hinein erfolge. Wenn ein Bluttumor schon wochenlang bestanden, damit eine Menstrualzeit überstanden ist, halten wir diese Gefahr wohl nur mehr für sehr gering. Auch der Umstand, dass ge- rade viele der Fälle, die kurze Zeit nach Entstehen der Hämatocele operativ behandelt wurden, unglücklich verliefen, empfielilt dieses Vor- gehen. Unter den zweit angeführten Umständen ist die Entleerung des Inhaltes dringend geboten und leidet keinen Aufschub, denn je länger und je mehr schädliche Secrete vom Blute aufgenommen werden, desto grösser wird die Gefahr für die Frau. Die Eröffnung und Entleerung der Hämatocele wird heute noch, wie zur Zeit als Nelaton das Leiden definirte, auf verschiedene Weise vorgenommen. Ein, Theil der Khniker ist für die Function und all- mälige Entleerung des Inhaltes — die einen wählen einen dünnen, die anderen einen dickeren Troikart — ein anderer Theil ist für die In- cision u];^d möglichst gründliche Reinigung der Höhle. Ein drittes Verfahren ist die Function mit nachfolgender Aspi- ration des Inhaltes, wozu Aspirationsapparate (Dieulafoy, Leiter) ver- wendet werden. Diese Vorrichtungen sind so construirt, dass bei der Entleerung unmöglich Luft in die Höhle dringen kann. Je nach Umständen ist einmal die Function zweckmässiger, das andere Mal die Incision nothwendig. Durch jedes dieser Verfahren kann, wenn es mit chirurgischem Sinne und aseptisch gehandhabt wird, nach Umständen der Zustand der Kranken erleichtert, die Heilungsdauer abgekürzt oder auch drohenden gefährlichen Erscheinungen begegnet werden. §. 132. Die Function. — Es handelt sich in diesen Fällen die quälenden, durch den Druck der grossen Geschwulst veranlassten Schmerzen zn beseitigen und die Heilung anzubahnen. Dies scheint sowohl durch eine Function, als durch eine Incision erreicht zu wer- den. Sollte sich nach der Function Eiterung oder Jauchung in dem Sacke einstellen, so lässt man derselben ungesäumt die Incision folgen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21782027_0235.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)