Volume 1
Vergleichende Volksmedizin : eine Darstellung volksmedizinischer Sitten und Gebräuche, Anschauungen und Heilfaktoren, des Aberglaubens und der Zaubermedizin / unter Mitwirkung von Fachgelehrten herausgegeben von O. v. Hovorka und A. Kronfeld ; mit einer Einleitung von Professor Dr. M. Neuburger.
- Date:
- 1908-1909
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Credit: Vergleichende Volksmedizin : eine Darstellung volksmedizinischer Sitten und Gebräuche, Anschauungen und Heilfaktoren, des Aberglaubens und der Zaubermedizin / unter Mitwirkung von Fachgelehrten herausgegeben von O. v. Hovorka und A. Kronfeld ; mit einer Einleitung von Professor Dr. M. Neuburger. Source: Wellcome Collection.
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![bem ginger einer £eicße ben ©aumen gu [treiben. — Urqueß ([1890] 137): ®ag untrüglicßfte 3JlitteI gegen 3a^nfdE)mergen ifi bag breimalige SSebrüden beg 3a§neg mit bem ginger einer Seiche, wobei man fpricßt: ®ir ®oten Stlag’ id) meine Sßoten, 9timm mir meine 3af)nfd)meräen ab Unb nimm fie mit in§ ®ra£>. gm tarnen be§ $8ater§ ufra. 2lnten. (®egenb oon gnfterburg.) SUiafuren: „Slugwücßfe am ntenfdhlicben Körper, welche man ,$nödbel' nennt, raerben auf folgenbe SBeife geteilt: 1. 2)tan geht in ein igaug, in bem eine £eicße ift, nimmt, oßne ein SBort gu fagen, bie £>anb beg £oten unb bebriicft breimal mit bem £otenfinger ben 2lug= wudfg. — „3 a ß n f dß m er g e n ßeilt man bamit, baß man ben 3eigefinger beg £oten auf ben fdtjmergenben 3aßn brüdt (5Umiggberger jQartungfdße 3eitung 1866 9tr. 9). — Swtenmäler, Seberflede unb Überbeine fcßwinben, fobalb fie mit einer Swtenßanb berührt finb OJtatangen, Urquell [1892] 247). — ©teiermarf (goffel 196): „®ie ÜDiutterniäler furiert man burdj S3erüßrung mit einer Sotenßanb, befonberg ber £>anb einer Jünbe§= leiche. 3ur S3efeitigung ber SB argen ift „bie S3erü£)rung mit einer Swtenßanb . . . aßgemein üblich. — gn Sbitßmarfcben beftreic^t man 23ranbwunben unb auch Jlarbunfet mit einer Sotenßanb. „®ie gleiten beftreidjt man mit einer SCotentjanb (©eßeftabt in ©dhlegwig=<Qolftein). Sludß bei ben (Siebenbürger ©acßfen: „(Sine © e f oß w u l ft ober SB argen roerben geheilt, wenn man fie mit ber £anb eineg £oten ftreidßelt (Ur= queß [1893] 70). Um einen £ropf gu oertreiben, beftreic^e man ihn breimal mit ber <Qanb eineg flöten unb fprecbe bagu: ©o roie biefe <ganb oerwelft ift, fo möge auch ber Slropf eingehen (S3ognien, Urqueß [1892] 303). -Jtadj ruffifdhem ÜBolfgglauben fcßüßt bie <ganb eineg £oten oor ber $ugel. — goffel (©teiermarf 196): „®er ©laube an bie Verwertung ber Seiche alg Strgnei gelangt in einem über bag gange Sanb oer= breiteten ©tauben gu befremblichem Stugbrud: ®ie barmhergigen SSriiber in ©rag foßen bag ^rioilegium befi^en, aßjäßrlich ein SJlenfchenleben für igeilgwede augbeuten gu bürfen. iQiergu mirb ein junger ÜDienfcb, melier etraa beg 3ahn^ebeng ober fonftiger leidhter (Srfranfung wegen in bag Drbengfpitat gelangt, abgefangen, an ben güßen aufgehängt unb gu $£ob gefißelt. $£)ie ehrwürbigen SSrüber fieben fobann ben Seidhnam gu S3rei unb oerwenben leßteren, fowie bag gett unb bie oerbrannten Knochen in ihrer Slpotßefe. - Um Oftern, fagen bie Seute, oerfcßwinbet oßjährltcß auf biefe SBeife eine Vurfcße fpurlog im ©pital. SBir entnehmen biefe 3ufammenfteßung bem S3ud)e oon ©trad (670). £otenul)r (Anobium pertinax L.), ber Stroßfopf, ein ^äfer, ber ftch bei Berührung tot ftellt. ®iefe $äfer oerurfadßen gugeiteu ein flopfenbeg, burcß feine 9tegel= mäßigfeit an bag Süden einer Safcßenußr erinnernbeg ©eräufcß. SQörte man eg abenbg unb nacßtg in einem ftißen ^ranfengimmer, einem Orte, ber fidh oor aßen anberen gu bergleicßen SBahrneßmungen eignet, fo mußte eg bem albernen Slberglauben gufolge bie leisten Sebengftunben beg fdhwer ®anieberliegenben oerfünbigen, baßer „Sotenußr. Sllg man nach einer natürlichen unb oernitnftigen (Srflärung biefer ©rfcßeinung fucßte, glaubte man fie in bem rßpthmifcben Klagen jener Saroen unb ber $äfer gefunben gu haben. SDiefeg ift aßerbingg ein feßr gteidßmäßigeg, aber nicßtg weniger alg ben $£on einer llßr nacbaßmenbeg. S3ielmeßr bringen bie Jfäfer felbft biefeg ©eräufdß unb gwar in folgenber SBeife ßeroor. S3orberbeine nebft güßler angegogen, ben Körper ßaupt*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24872076_0001_0478.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)