Volume 1
Vergleichende Volksmedizin : eine Darstellung volksmedizinischer Sitten und Gebräuche, Anschauungen und Heilfaktoren, des Aberglaubens und der Zaubermedizin / unter Mitwirkung von Fachgelehrten herausgegeben von O. v. Hovorka und A. Kronfeld ; mit einer Einleitung von Professor Dr. M. Neuburger.
- Date:
- 1908-1909
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Credit: Vergleichende Volksmedizin : eine Darstellung volksmedizinischer Sitten und Gebräuche, Anschauungen und Heilfaktoren, des Aberglaubens und der Zaubermedizin / unter Mitwirkung von Fachgelehrten herausgegeben von O. v. Hovorka und A. Kronfeld ; mit einer Einleitung von Professor Dr. M. Neuburger. Source: Wellcome Collection.
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![Sie Srube füllte fid) oon anberen böfen SöeibSteuten nur burcf) gegen bie Aafe hinab bufd)ig äufamntengeraachfene Augenbrauen mtterfcheiben. 3hre Augen haben einen falten, ftarren Slid. ©onft ift bie Srube frifcf) unb fünf bei ber Arbeit, roilb unb luftig unb hat beim Saus fcf)Ott mannen jungen Surfchen ju feiger Siebe entflammt, ben fie nachher tot briieft in if)rer Umarmung. ©S roerben ber fDtittel gar oiele gegen biefe Unljolbinnen empfohlen. SaS gebränd)licf)fte ift ber Sritbeitfufj, ben man in einem ©trid; an bie Sitre ber ©djlaflamiiter ober ans Seit malt unb oor beut biefe Unljolbe grofje ©djen fjaben füllen, ©in aitbereS, oiel einfacheres fDiittel befteljt barin, ben aus* gezogenen ©uf) oerlehrt oor baS Sett fjinjiifteUen. Sefiitbet fidf jemanb mit bent oon Der Srube ©eplagteit in bemfelben ©chlafraunte, fo merft er eS gleich an ben ferneren, röchelnben Atemzügen feines ©enoffen. -Jüan brauet ihn bann nur laut beim Aameit ju rufen, fo entflieht bie Srube, §um ©chlüffellodj fnuauSfahrenb. Söenn einer bie Srube nahen fühlt unb ruft iljr gut „Komm morgen um bie brei meinen ©aben, fo oerfdhrainbet fie unb fontmt am anberen Sag mieber. sDtau muff ihr bann meines ©als, meifeS 9Jtehl unb ein roeifjeS ©i geben. Siefe 3 ©aben nimmt fie unb geht fort, um niemals nneberjitfehren. SaS fDiittel ift probat, bie ©djroierigfeit befiehl nur barin, bie Srube anjureben, ehe fie ihren oerberblicheit Srud auSjui'tben beginnt. Senn hat fie beit 9}tenfd)en einmal erfaßt, fo famt er fid) meber rühren, noch ein 2Bort fpred;eit, hödhftenS noch fantt er bie Saunten ettifdjlageit, toaS bie Srube jebod) guroeilen auch oertreibt. — Söer Siir uub Sor fo feft oerfchliefjt, baff bie Srube nicht herein faitn, ju bent fchtüpft fie bodj oft noch in ©eftalt eines ©trohhalmeS ins Sett. ©ie hat ja bie ©abe, fid) in ©troll §u uertoaitbeln; 10er fie padt, behält baher meift nur einen ©trohioifdh in ben igänben. Samit fie aber nicht fo als tgalmroeib herein fattit, oer= ftopft ber oorfichtige Sauer bie ©dhlüffellöd^er feiner Süren mit geioeihtent 2Berg (519 a). 3ttt 2Biener 2Jtufeunt für öfterreidjifdje SolfSfttttbe roerbeit ein Srubentoeffer unb eine Srubengabel auS Steitborf im ©aljburgifchen oenoahrt. Sie 9)tefferflinge ift mit einem 3auberfprud)e, mit magifchen 3eid)en unö Kreuseit oerfehen. SaS merfroürbige Sefted roirb Kinbent bis §u 9 SRonaten iit bie Söiege unter baS Kopfeitbe gelegt, um bie kleinen oor Srubett, b. i. böfett ©eiftern gu befdmhen (388). 3» ber ©hriftnacht treibt befonberS ber „Dhneroeigl gern fein Uttioefeu. SiefeS gefürchtete, fchredliche ©efpenft in ben Sergen fcfiredt beit eittfattteit Aßauberer, fehl ftch ihm auf bie Sruft unb brüdt ihn folange, bis er oor ©rmübung itieberfäHt (AuS ber ©ölf). Am ©hrift* abenb brauft baS „toilbe ©joab (bie railbe 3agb) fdhned toie ber ©türm unb oont fchroarjeit ©eroölf begleitet über Serg uub Sal bahin, lodt beit Sßattberer oon feinem nahen 3iel unb führt ihn irre (©ifenerg). 3m SKürjtale ioar faft in jebent ©afthaufe, melcfjeS audj gur Verberge biente, bie ©cfjlaffatnnter mit Srubenfpiegeln oerfehen. SaS toareit Heilte ©pieget, melche entioeber 9ial)iiten aus ©piegelglaS ober blanfent Siech hatten. Sor jebent folgen ©pieget ioar eine Sorridjtung gutn Auffteden einer Kerge. Srei foldje ©pieget mußten in einem ©dhlaf* gemache oorhanben fein, unb mürben baoor geroeihte bergen aufgeftedt unb nachts gebrannt, fo faf» bie Srube bei ihrem kommen ihr Abbilb itt breifacher Angaht unb in fo erfdjredenber ©eftalt, bah fie fogleich oerfchioanb, ftatt bie ©djläfer gu brüdeit. 9)ian fragt Seute, melche im ©chlafe ftöhnen, nod) jefet, ob fie oon ber Srub gebrüdt mürben. Srubenfpiegel befinben fich itit ©afthaufe „3ur Sinbe im SBallfatjrtSorte ÜDtaria* Dtehfogel bei Srud, beim ©ngelmirt in Kapfenberg, iit Afiettg, fDtarein, 9Jiürgt)ofen unb in einem ©emerlenljauS in Kinbberg (3eitf<hr. f. öfterr. SolfSf. VII [1901] 180).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24872076_0001_0481.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)