Das Wetter und unsere Arbeit : experimentelle Untersuchungen über den Einfluss der meteorologischen Faktoren auf die Körperliche und seelische Arbeitsfähigkeit / von Alfr. Lehmann und R.H. Pedersen.
- Alfred Lehmann
- Date:
- 1907
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Credit: Das Wetter und unsere Arbeit : experimentelle Untersuchungen über den Einfluss der meteorologischen Faktoren auf die Körperliche und seelische Arbeitsfähigkeit / von Alfr. Lehmann und R.H. Pedersen. Source: Wellcome Collection.
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![15] zuüben. Ein häufigeres Ablesen des Barometers würde daher, unseres Ermessens, keinen Zweck haben. Die weitaus größten Schwierigkeiten bereitete uns die Messung der Temperatur, nicht weil es an und für sich besonders schwierig ist, die Temperatur zu bestimmen, sondern weil es im voraus gar- nicht einleuchtet, welche Temperatur zu berücksichtigen ist. Die Schüler der Volksschule halten sich unzweifelhaft außerhalb der Schule sehr viel im Freien auf, sodaß sie wirklich von der Luft- temperatur beeinflußt werden; in diesem Falle kann man also den Korrelationsbestimmungen die mittlere Lufttemperatur oder das Maximum des Tages zugrunde legen. Dies gilt aber nicht von den übrigen Vp., deren Arbeit sie an die Stube fesselt. Die Temperatur unserer Zimmer schwankt zwar des Sommers mit der der äußeren Luft, vom Oktober bis April, wo geheizt wird, ist sie aber fast konstant, 17—20° C. Selbst wenn wir einen täglichen, zweistündigen Aufenthalt der Stubenarbeiter im Freien annehmen — was jedenfalls hoch veranschlagt ist — wird es kaum ver- ständlich, wie hieraus ein merklicher Einfluß resultieren kann. Nichtsdestoweniger zeigen die Messungen, daß eine Beziehung zwischen der äußeren Temperatur und der Arbeitsfähigkeit besteht. Diese Sonderbarkeit haben wir uns nur durch die Annahme er- klären können, daß die Einwirkung des Nachts stattfindet. Unsere Schlafzimmer werden nämlich nie geheizt, und die Fenster sind den ganzen Tag und oft auch die Nacht hindurch olfen. Unter diesen Umständen ist man also im Schlafzimmer einer Temperatur ausgesetzt, die zwar nicht der äußeren gleich, jedoch von derselben abhängig ist. Von der erwähnten Annahme ausgehend haben wir, seit dem Juni 1906, die nächtliche Minimumstemperatur unserer Schlafzimmer bestimmt, wozu das leicht transportable Maximum- und Minimum- thermometer von Six angewandt wurde. Das Minimum hat vor jeder anderen Größe den Vorzug, daß es zu einem beliebigen Zeit- punkte abgelesen werden kann; übrigens erwies es sich, daß die Temperatur abends und morgens nur sehr wenig, 1—2° von dem Minimum abweicht. Die Bedeutung dieser Größe kann somit nicht zweifelhaft sein, denn wenn man 6—8 Stunden, während der voll- ständigen Ruhe des Schlafes, Luft von dieser Temperatur einatmet, wird sie weit stärker als während der Tätigkeit des Tages, wo](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29012065_0021.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


