Psychologie des Kindlichen Interesses / von Ladislaus Nagy ; Einzige autorislerte Übersetzung aus dem Ungarischen, von K.G. Szidon.
- Nagy, Lásló, 1857-1931.
- Date:
- 1912
Licence: In copyright
Credit: Psychologie des Kindlichen Interesses / von Ladislaus Nagy ; Einzige autorislerte Übersetzung aus dem Ungarischen, von K.G. Szidon. Source: Wellcome Collection.
27/204 page 19
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image![j b) Die zweite Wirkung des Gefiihlsinteresses auf das Willensleben besteht darin, daß die während des Interesses entspringenden Empfindungen, Vorstellungen und Vorstellungsver- knüpfungen auf eine möglichst hohe Stufe der Klarheit hinanstreben. Wofür wir uns interessieren, das trachten wir deut- lich zu erkennen, daran irgend eine Eigenschaft ausfindig zu machen. Aus diesem geistigen Bestreben des Interesses entsteht die Ver- engung des Kreises des Bewußtseins, nämlich das Zustandekommen der Aufmerksamkeit, und damit gleichzeitig die Einseitigkeit der geistigen Vorgänge. Diese Richtung des Willens ersprießt auf natür- liche AVeise aus der biologischen Quelle des Interesses. Eben deshalb ist das Erkenntnisbestreben des Interesses eine allgemeine Grund- lage, die auch dann noch verbleibt, wenn das Interesse eine äußere Tätigkeit auslöst. Daraus folgt wiederum, daß die passive Auf- merksamkeit nicht das Kriterium des Gefühlsinteresses ist, denn die Aufmerksamkeit arbeitet auch während der Betätigung. Zweifelsohne aber, die passive Aufmerksamkeit ist das Zeichen einer gereifteren Stufe des Interesses. In einer äußerlichen Tätigkeit sucht nämlich das Inter- esse, als innere Bedürfnisempfindung unmittelbar Befriedigung. An- läßlich der passiven Aufmerksamkeit aber verübt das Bewußtsein in biologischem Sinne bloß eine botmäßige Orientierung, als Vorbereitung der alsdann nachfolgenden Befriedigung. Die passive Aufmerksamkeit ist somit das ]\Ierkmal eines mittelbaren Interesses, was eine gewisse Differenzierung der Intelligenz voraussetzt. c) Hier sei das Verhältnis des Interesses zum Charakter erwähnt. Indem die das Gefühlsinteresse begleitenden äußeren und inneren Tätig- keiten die Kraft unseres Selbstbewußtseins und die Anschaulichkeit der im Bewußtsein arbeitenden Vorstellungen fördern, wird die Vermehrung und Stetigkeit der Stärke des Interesses mit einer bestimmten Richtung unserer geistigen- und Willenskraft immer Schritt halten. Die ausge- bildete Richtung des Interesses und der Charakter, wie auch jenes Gebilde unseres Verstandes, welches wir Geist nennen können, sind die gleichen Ergebnisse der Entwicklung. Hieraus ersprießt die erhabene pädagogische Bedeutung in der Entfaltung des Interesses. 4. Endlich taucht die Frage auf, in welche Periode der mensch- lichen Seelenentwicklung das Auftreten des Gefühlsinteresses fällt. Diese Frage ist um so berechtigter, ja ganz natürlich, zumal diese un- sere Arbeit eben die Entwicklung des Interesses behandelt. Insofern die Arten der seelischen Funktionen im Verlaufe der Entwicklung nicht auf einmal erscheinen, sondern aus den niedrigeren Funktionen stufen- weise gedeihen, wäre obige Frage richtiger so zu formulieren: auf 9*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29011048_0027.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)