Zum gegenwärtigen Stand der Cholerafrage / von Max v. Pettenkofer.
- Max Joseph von Pettenkofer
- Date:
- 1887
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Credit: Zum gegenwärtigen Stand der Cholerafrage / von Max v. Pettenkofer. Source: Wellcome Collection.
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![Diu AiitocliÜioiiiBten. sich die Verbreitung der Cholera ganz cuniagionistiseh wie die Kinderpest vorstellt, die sich in keinem Orte entwickeln kann, Avo sie nicht eingeschleppt wird, erwidert: „Alle Welt muss sich erinnern, dass zur Zeit der letzten Ausstellung (in Paris) die Cholera in einer grossen Zahl von Ländern herrschte. Damals wm-de kein Sanitätscordon errichtet. Die Hauptstadt empfing während dieser Zeit den Besucli von Personen aus allen Orten der Welt und kein Cholerafall zeigte sich innerhalb ihrer Mauern. Fauvel, dem die Ausbreitung der contagionistischen An- schauung in Frankreich unstreitbar am meisten verdankt, ent- <TConete: „Während der letzten internationalen Weltausstellung zu Paris im Jahre 1878 hat es keine Cholera in Europa gegeljen. Das musste natürHch Guerin etwas in Verlegenheit bringen, und er konnte nur erwidern: „Es war während einer der letzten Aus- stellungen, ich erinnere mich im Augenblicke nicht, während welcher, aber die Genauigkeit der Thatsache verbürge ich und werde nächsten Dienstag den Beweis bringen. Und er brachte ihn wirklich in der nächsten Sitzung. Er konnte sich auf einen Vortrag beziehen, deji er am 20. Juli 1875 in der Akademie gehalten, in welchem er die Verbreitung der Cholera im Zusammenhange mit der Wiener Weltausstellung im Jahre 1873 besprach, und unter anderem wörtlich gesagt hatte: ,,Aehnlich schickte das 187-] inficirte Wien die Cholera bei der Rückkehr seiner Besucher weder nach Belgien, noch nach Frank- reich ; und Paris gewährte 18G7 den Auswanderern inficirter Ijänder die ausgedehnteste Gastfreundschaft und widerstand den An- steckungsstülfen, welche sich täglich während mehr als eines Jahres erneuerten. Guerin weiss auch, wie der Contagionist Fauvel diese zwei grossen Thatsachen der Weltausstellungen zu Paris und Wien erklärt, indem er seinen Gegner daran erinnert, was dieser einmal schon im Jahre 1872 in der Akademie gesagt liatte: nämlich, dass die Cholera ihre Kraft auf der Eisenbahn verliere und sie nur auf den Schiffen bewahre, weshalb die See- quarantänen aufrecht zu halten seien, wenn man auch die Land- quarautänen aufgeben müsse.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20387301_0019.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


