Zum gegenwärtigen Stand der Cholerafrage / von Max v. Pettenkofer.
- Max Joseph von Pettenkofer
- Date:
- 1887
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Credit: Zum gegenwärtigen Stand der Cholerafrage / von Max v. Pettenkofer. Source: Wellcome Collection.
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![,]ie Cholera ebenso gezeigt liätte, wenn auch der Lyceist aus Toulon nicht gekoninien und erkrankt wäre. An anderen Orten entwickeln sich ja häufig solche primitive Infectionsheerde, ohne dass man einen von auswärts dahin gekommenen Cholerakranken auffinden kann. Wenn ich diesen Fall James Cuningham vor- legen würde, so bin ich überzeugt, dass er sagen würde, der Lyceist hat Toulon ganz gesund verlassen, er wurde erst in Marseille in Nr. 75 rue Forbin, wo er 3 Tage lang wohnte, ehe er krank wurde, inficirt, und zwar von der nämlichen localen Ursache, welche einen Tag später auch der Hausmeisterin in Nr. 82 rue de la Republique und ihrem Töchterchen den Tod brachte. Es hilft auch nichts, zu sagen, dass in der Nähe der Strasse Forbin ein Markt (Dult) abgehalten wurde, auf welchem sich auch Verkäufer und Käufer aus Toulon einfanden. Der Cholerflücht- linge aus Toulon gab es noch eine viel grössere Anzahl auch in anderen Stadttheilen von Marseille, ohne diese Folgen zu haben. Wenn man überhaupt den Folgen der Choleraflucht erst aus Toulon und dann auch aus Marseille näher nachgeht, so staunt man über das Resultat der Untersuchung, was Guerin in fol- genden Worten ausdrückt'): »Man hat es gesehen und fährt fort es zu sehen, dass nicht die Flüchthnge aus Toulon und Marseille es sind, welche die Choleraherde in den Gegenden erzeugt haben, die sie aufgenommen haben, sie gehen dahin, zu sterben, um zu bezeugen, dass sie wohl das krankmachende Princip, das sie anderswo empfangen haben, in sich tragen, aber auch dass dieser machtlose Keim unfruchtbar geblieben ist, weil er auf einen schlecht oder noch nicht vorbereiteten Boden gefallen ist. Ueber- dies, wenn zufällig einige neue Cholerafälle sich schon näher oder ferner den ersten Schauplätzen der Epidemie gezeigt haben, so geschah das nicht aus einer besonderen Vorliebe für die Orte, wo die Auswanderer gestorben sind, wie sich das im Augenblicke (22. Juli) sogar in Paris zeigt, da wo keiner von ihnen gestorben ist und auch gar nicht vermuthet werden kann, die Krankheit abgelagert zu haben«. Wie sehr Jules Guerin berechtigt war,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20387301_0025.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


