Zum gegenwärtigen Stand der Cholerafrage / von Max v. Pettenkofer.
- Max Joseph von Pettenkofer
- Date:
- 1887
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Credit: Zum gegenwärtigen Stand der Cholerafrage / von Max v. Pettenkofer. Source: Wellcome Collection.
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![sagen kann, ausgesäet wird, und dem Augenblicke, wo er die zur Bildung eines zweiten Krankheitsherdes nothwendige Ent- wickelung durchgoniacht hat, eine Zeit, die sehr lang sein kann, deren Minimum und Maximum wir aber nicht kennen. »Werfen Sie nur einen Blick auf die Thatsachen, die uns /Amächst liegen. Unter den sieben Epidemien von asiatischer Cholera in Frankreich ist eine einzige auf die Provence beschränkt geblieben, wo sie sich vom Monat December 18/]4 an entwickelt hat; alle anderen sind nach Paris gedrungen, aber die Zeit ist höchst verschieden, welche sie dazu brauchten. 1832 war der Gang sehr rasch. Am 15. März war die Cholera in Calais, am 26. schon in Paris. — 1848 bis 1849 ging es langsam. Im Herbst des Jahres 1848 wurden die Häfen von Dünkirchen und Calais etc. befallen, Paris wurde erst im März 1849 erreicht. — 1853 über- schritt die Cholera unsere Nordgrenze im October, wird in Paris im November constatirt, geht da aber rasch in den latenten Zu- stand über und tritt deutlich erst wieder im Februar 1854 auf. — Im Jahre 1865 ist die Cholera in Marsaille am 23. Juli, in Paris erst am 22. September, wo sie abnimmt, wie bei der vor- hergehenden Heimsuchung und erst im Herbste 1866 wieder zu einer heftigen Entwickelung kommt. — 1873 wird Havre im August befallen, Paris im September. — Endlich 1884 wird Toulon im Monate Juni erreicht, Marseille im Juli und Paris ist jetzt im August noch nicht befallen. »Welchen Werth kann angesichts dieser Ungleichheiten und dieser verlängerten Verzögerungen eine Beweisführung haben, die sich, um den Transport der Krankheit von einem Punkte nach einem anderen durch Menschen oder Sachen zu läugnen, darauf stützt, dass die Auswanderer von Toulon und Marseille die Cholera noch nicht in Paris eingeschleppt haben? Sieht man denn nicht, dass selbst unter der Annahme, dass diese Flüchtlinge ganz voll von Cholerakeimen gewesen wären, diesen Keimen Zeit gelassen werden muss, den passenden Nährboden zu finden? Ist man endlich nicht gezwungen, das, was auch schon früher vorgekommen ist, als möglich anzusehen, dass nämlich diese Keime diesmal gar keinen günstigen Boden in Paris finden können?](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20387301_0027.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


