Die Entwicklung der biologischen Forschungsmethode in der Antike und ihre grundsätzliche Förderung durch Theophrast von Eresos / von G. Senn.
- Gustav Senn
- Date:
- 1933
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Credit: Die Entwicklung der biologischen Forschungsmethode in der Antike und ihre grundsätzliche Förderung durch Theophrast von Eresos / von G. Senn. Source: Wellcome Collection.
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![1 fj wiederholt sagt, im Laufe der Zeit seine medizinischen Kenntnisse i in bedeutendem Maße erweitert und manche frühere Ansidit revi- | diert. Ob er jedoch auch seine wissenschaftliche Methode weiter j entwickelt habe, wurde meines Wissens noch nicht untersucht. Bei ) dem gewaltigen Umfang seiner Schriften würde eine gründliche f Untersuchung dieser Frage außerordentlich viel Zeit erfordern - t voraussichtlich ohne prinzipiell interessante Resultate zu ergeben. I Ich habe mich darum darauf beschränkt, zwei Stichproben vorzu- j nehmen. Die eine lag deshalb nahe, weil Galen an der betreffenden Stelle j betont, er habe seine ursprünglidie Ansicht gegen eine bessere ver- 1 tauscht. Im Fragment der Schrift: „Uber meine eigenen Ansichten” | sagt er nämlich (Helmreick 1894» S. 434 Z. 98): „Als ich jung war, ) folgte ich anerkannten Autoritäten, welche die Ansicht vertraten, 3 daß von allen Organen zuerst das Herz gebildet werde. Als ich 3. aber älter wurde, stiegen mir im Hinblick auf diese Ansicht Be- ) denken auf... Denn es ist nicht möglich, daß dieses Organ ohne > das Vorhandensein von Blut entstanden sei”. In der Tat wird das I Blut gleichzeitig mit den ersten Gefäßen und dem Herzen ge- I bildet. Ob dies Galen trotz dem Mangel an Vergrößerungsgläsern ! tatsächlich gesehen, oder nur angenommen hat, ist schwer zu ent- 3 scheiden. Er fährt dann fort: „Blut kommt aber (im Embryo) da- I durch zustande, daß es durch die Gefäße der Gebärmutter in die I; Leber (des Embryos) gelangt, bevor in diesem das Herz entsteht.” Die Leber ist somit, so schließt Galen, vor dem Herzen vorhanden. Auf diese Feststellung legte er deshalb so großes Gewicht, weil er die Leber, was ja für spätere Stadien zutrifft, als blutbildendes Organ auffaßte. Daß das Herz vor ihr entstehe, sei auch deshalb „nicht wahrscheinlich, weil die Vene, die aus den Venen des Cho¬ rions entsteht, vorher in die Leber gelangt, bevor in das Herz”'. E,s fragt sich nun, ob die Angaben über clie zeitliche folge der 1 Der stellenweise — besonders in Zeile 103 — verdorbene Text lautet: Z. 102 yiyvezai de alfJLCi diä züv (103) zfj [zrjzgq äyyeCov . . . zijv yeveöiv e%ei äcpiycvov/jievov eig (104) rjnag ngövegov §fupvo^vr)g. Helmreich (1894) nimmt nach äyyelcov eine Textlücke an. Mein Kollege, Prof. P. VonderMühll möchte jedoch das zi]v yeveöiv e%ei als Randglosse auffassen, welche das yiyvezai schärfer umschreiben will. Nach deren Entfernung ergibt der Satz den oben ver- 13](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29978622_0199.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


